Bangen um weitere Geiseln im Irak: Mord an vier Menschenrechtsaktivisten angedroht
- Erstes Ultimatum der Osthoff-Kidnapper abgelaufen
- Zehn amerikanische Soldaten bei Anschlag getötet
·Osthoff: Familie mit TV-Appell an Entführer
Mutter: "So schnell wie möglich wieder freilassen"
·Irak: Kein Kontakt zu Osthoff-Entführern!
Präsident Talabani sichert
seine Unterstützung zu
·Irak: Talabani will deutsche Geisel finden
Präsident: 'Verabscheue diesen terroristischen Akt'
·Mutter der Irak-Geisel Susanne Osthoff
"Wir bemühen uns, hier nicht durchzudrehen"
·Gekidnappt: Porträt von Susanne Osthoff
43-Jährige war sich der Gefahr im Irak bewusst
·Saddam-Prozess: Anschlag vereitelt!
Terror-Komplott vor Verhandlung aufgedeckt
Die Entführer von vier westlichen Menschenrechtsaktivisten im Irak haben mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera veröffentlichte am Freitagabend ein Video der Kidnapper, auf dem diese die Freilassung aller Gefangenen aus irakischen und US-kontrollierten Gefängnissen im Land bis zum Donnerstag, den 8. Dezember, fordern. Unterdessen ist das erste Ultimatum der Osthoff-Kidnapper abgelaufen.
Das Video zeige zwei aus den USA und Großbritannien stammende Geiseln, die ihre Regierungen zum Abzug aus dem Irak auffordern, berichtete der Sender. Zwei andere aus Kanada stammende Geiseln seien beim Essen gefilmt worden.
Der kanadische Ministerpräsident Paul Martin verurteilte die Todesdrohungen. Diese richten sich gegen Männer, die im Irak helfen wollten. "Das ist ein gefühlloser Terrorakt gegen unschuldige Menschen", sagte Martin am Freitag vor Journalisten. "Erinnern wir uns daran, dass diese Menschen mit einem humanitären Auftrag im Irak sind. Sie sind gekommen, um dem irakischen Volk zu helfen. Sie sind Männer des Glaubens. Sie sind gekommen, um den Irakern dabei zu helfen, ihre Gesellschaft wieder aufzubauen. Sie sind gekommen, um beim Aufbau des Friedens zu helfen."
Bereits am Dienstag hatte Al-Jazeera ein Video gezeigt, in dem sich eine bisher unbekannte islamistische Gruppe zur Entführung der vier Männer bekannte. In London veranstalteten Freunde und Unterstützer der Christian Peacemaker Teams, zu denen der entführte Brite Norman Kember (74) gehört, am Abend eine Mahnwache, wie die BBC meldete.
Im Fall der vor einer Woche verschleppten deutschen Archäologin Susanne Osthoff ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" am Freitag in der Früh ein von den Entführern gestecktes Ultimatum abgelaufen. Unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreisen berichtet das Magazin, die Geiselnehmer hätten die deutsche Bundesregierung in ihrer Video-Botschaft explizit aufgefordert, die Ausbildung irakischer Polizisten zu beenden. Als Frist hätten die Entführer "drei Tage nach Erstausstrahlung des Videos" gesetzt.
Der radikale Schiiten-Prediger Moktada al-Sadr rief die Entführer der 43-Jährigen auf, ihre Geisel sofort freizulassen. Die Deutsche sei eine "Freundin des irakischen Volkes" und "von Anfang an gegen den Krieg gegen den Irak" gewesen. Die Entführung widerspreche "den Prinzipien des Islams, der zu Keuschheit, Frieden und Toleranz aufruft", sagte Sadr in der schiitischen Pilgerstadt Najaf.
Von Osthoff gibt es weiterhin kein Lebenszeichen. Die Mutter und die Schwester Osthoffs hatten sich mit einer Videobotschaft an die Entführer gewandt. Das Band wurde von Al Jazeera am Donnerstagabend ausgestrahlt. Anja Osthoff, die Schwester, bittet darin um das Leben der gekidnappten Archäologin und erklärt, die Entführte sei bekennende Muslimin und treusorgende Mutter einer Tochter.
Unterdessen starben bei einem Bombenanschlag am Stadtrand der irakischen Rebellenhochburg Falluja zehn amerikanische Marineinfanteristen. Die Soldaten befanden sich Militärangaben zufolge auf einem Streifgang, als am Donnerstag ein aus mehreren Artilleriegranaten zusammengebauter Sprengsatz explodierte. Elf weitere Soldaten seien verletzt worden. Es war der schwerste Verlust der US-Streitkräfte seit vier Monaten. Anfang August waren bei einem Anschlag von Haditha 14 US-Soldaten und ein Übersetzer getötet worden.
Die irakischen Sicherheitskräfte sind nach Einschätzung der Regierung in Bagdad noch weit davon entfernt, ohne Unterstützung der US-Truppen gegen die anhaltende Gewalt vorzugehen. Einem internen Bericht zufolge fehlt es an nahezu allem; gefordert werden mehr Personal, bessere Führungskräfte, neuere Ausrüstung und eine bessere Ausbildung der Männer. Es sei noch "ein weiter Weg zu gehen", heißt es in dem Bericht, der der Nachrichtenagentur AP am Freitag zugänglich gemacht wurde.(apa/red)
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