Freitag, 2. Dezember 2005

Brand in einem Obdachlosenheim in Deutschland: Neun Menschen wurden getötet

  • Beörden nennen brennende Zigarette als Ursache

Tod in der Flammenhölle: Bei einem verheerenden Brand in einer Obdachlosenunterkunft in Halberstadt nahe Magedeburg im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt sind am Freitag neun Männer ums Leben gekommen. Fünf weitere Obdachlose wurden verletzt. Einer von ihnen wurde am Abend festgenommen. Der 55-Jährige hatte bei seiner Vernehmung zugegeben, nach einem gemeinsamen Trinkgelage in seinem Zimmer mit einer brennenden Zigarette in einem Sessel eingeschlafen zu sein.

Als er erwachte, stand das Zimmer in Flammen. Die Ermittler gehen davon aus, dass diese Zigarette Auslöser der Katastrophe gewesen sein könnte. Die Polizei hatte schon zuvor einen Anschlag definitiv ausgeschlossen. Es seien weder Brandbeschleuniger gefunden noch Fremde beobachtet worden, sagte sie. Es war die schwerste Tragödie dieser Art seit zehn Jahren.

Bei den Todesopfern handele es sich um Männer im Alter von von 35 bis 54 Jahren, teilte die Polizei mit. Für die fünf Verletzten besteht keine Lebensgefahr, zwei von ihnen konnten bis zum Abend das Krankenhaus wieder verlassen. In dem Quartier waren zur Zeit der Katastrophe 15 Menschen gemeldet. Sie waren als Dauerbewohner dort untergebracht. Ursprünglich war die Polizei sogar von zehn Todesopfern ausgegangen. Die Einsatzkräfte hatten zunächst einen verkohltes Bettgestell für eine Leiche gehalten.

Die Flammen hatten am frühen Morgen um 5.32 Uhr rasend schnell von einem Container am Rande des Komplexes auf die anderen Unterkünfte übergegriffen. Als die Feuerwehr um 5.44 Uhr eintraf, brannte die Anlage schon in voller Ausdehnung. Genährt wurde der Brand teils durch Holzvertäfelungen, vor allem aber durch Zugluft, die entstand, als die Flüchtenden durch die Haupttür ins Freie liefen.

Nach Angaben der Stadt gab es in der Unterkunft Feuerlöscher und einen Notausgang, aber keine Brandmelder. Diese seien auch nicht vorgeschrieben gewesen, erklärte Michael Haase vom Halberstädter Ordnungsamt. Die Anlage war 1996 für die Dauer von zehn Jahre genehmigt worden.

Somit wäre Mitte kommenden Jahres eine neue Genehmigung fällig gewesen. Die letzte Brandschutzkontrolle gab es im Jahr 2001, die letzte Sicherheitskontrolle am 28. Jänner 2005. Was dabei bemängelt worden sei - etwa der Abstand von Heizgeräten zur Wand - sei den Auflagen entsprechend angepasst worden.

Sachsen-Anhalts Landesregierung, die Kommune und die Kirche reagierten mit Bestürzung auf die Tragödie und sicherten Hilfe zu. "Das Mitgefühl gilt den Opfern und den Hinterbliebenen", sagte Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Jetzt müsse die Brandursache schnellstmöglich geklärt werden. Innenminister Klaus-Jürgen Jeziorsky (CDU) zeigte sich erschüttert. Der Einsatz der Rettungskräfte sei reibungslos gelaufen. "Die Helfer kamen schnell, aber leider trotzdem zu spät."

"Im Augenblick überwiegt Betroffenheit, Trauer und Mitleid, weil es die Ärmsten der Armen getroffen hat", sagte Harald Hausmann, Bürgermeister von Halberstadt (parteilos). Er wolle sich gemeinsam mit städtischen Wohnungsunternehmen um eine Unterbringung der Überlebenden kümmern. Kleidung und Nahrungsmittel würden zur Verfügung gestellt. Wegen der großen Hilfsangebote habe die Stadt ein Spendenkonto eingerichtet.

Der Containerkomplex ist abseits an einem Bahngelände der etwa 40.000 Einwohner zählenden Stadt am Rande des Harzes gelegen. Den Unterlagen zufolge waren 15 der insgesamt 24 Plätze belegt. Der 25 Meter lange und zehn Meter breite Komplex bestand aus 20 Containern. Davon dienten 16 als Wohnstätte und vier als Verbindungsgänge.
(apa)

2.12.2005 08:51