Freitag, 2. Dezember 2005

Makabrer "Rekord" in den USA erreicht:
1.000 Hinrichtung seit 1976 wurde vollzogen

  • Gnadengesuch abgelehnt: Boyd mit Giftspritze getötet
  • UMFRAGE: Halten Sie die Todesstrafe für gerecht?

Drei Jahrzehnte nach Wiedereinführung der Todesstrafe ist in den USA am 2. Dezember 2005 der 1000. Häftling hingerichtet worden. Nach zwei abgelehnten Gnadengesuchen starb der Doppelmörder Kenneth Lee Boyd im Zentralgefängnis von Raleigh im Bundesstaat North Carolina durch eine Giftspritze. Der 57-jährige wurde 1994 wegen Mordes verurteilt, nachdem er seine getrennt lebende Frau und seinen Schwiegervater vor den Augen der beiden Söhne erschossen hatte.

Der Anwalt des Vietnam-Kriegsveteranen, Thomas Maher, nannte die 1000. Exekution einen "Meilenstein der Schande". Boyd wolle nicht als Nummer in Erinnerung bleiben, sondern als Mensch, und sei deshalb verärgert gewesen, dass sein Name mit solch einem "makabren Ereignis" für immer verbunden bleibe, sagte Maher nach Angaben der lokalen Zeitung "News&Observer". In den letzten Stunden vor seiner Hinrichtung habe Boyd nach vielen Jahren erstmals wieder mit Familienangehörigen gesprochen. Sein ältester Sohn - dieser stammt aus einer anderen Ehe - sowie dessen Frau und Enkelkinder hätten Boyd im Gefängnis besucht.

Nach den Worten des Anwalts hat der 57-Jährige bis zuletzt gehofft, dass die Gerichte die Exekution stoppen würden. Aber sowohl das Oberste Gericht der USA als auch der demokratische Gouverneur von North Carolina, Mike Easley, lehnten am Donnerstag eine Begnadigung ab. Easley sagte, es gebe keine zwingenden Gründe, das einstimmige Urteil der Jury und der Gerichte zu überstimmen.

Gegner der Todesstrafe, darunter Amnesty International, hatten seit Tagen mit Mahnwachen und anderen Aktionen auf das "Hinrichtungsjubiläum" aufmerksam gemacht und die Praxis in den USA als "barbarisch" angeprangert. Auch in der Nacht hatten mehr als 100 Demonstranten vor dem Gefängnis gegen die Todesstrafe demonstriert und die Namen aller zuvor hingerichteten 999 Häftlinge verlesen.

Boyds Exekution war die 56. in diesem Jahr. Bereits am Freitagabend (Ortszeit) war in South Carolina die Hinrichtung des 34-jährigen Shawn Paul Humphries geplant, der wegen Mordes an einem Ladenbesitzer verurteilt wurde.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte die bestehenden Todesstrafengesetze in den Bundesstaaten am 29. Juni 1972 für nicht erklärt. Begründet wurde dies hauptsächlich damit, dass die Todesstrafe häufig willkürlich verhängt werde. Nach Überarbeitung der Gesetze wurde die Todesstrafe 1976 wieder in Kraft gesetzt. Als erster Häftling starb im Jänner 1977 Gary Gilmore in Utah durch ein Erschießungskommando.

EU bedauert 1000. Hinrichtung in USA
Die EU hat ihr Bedauern über die 1.000. Hinrichtung ausgedrückt. "Die EU ist gegen die Todesstrafe", heißt es in einer Erklärung der britischen Regierung, die die EU-Ratspräsidentschaft innehat.

Die US-Regierung und die Einzelstaaten werden aufgerufen, die Todesstrafe auszusetzen. "Wir betrachten diese Strafe als grausam und unmenschlich." Der Doppelmörder Kenneth Lee Boyd wurde am Freitag in North Carolina per Giftspritze getötet.
(apa)

2.12.2005 07:23