"Mein Vater agiert oft sehr mutig": Belinda Stronach über den berühmten "Big Spender"
- Wichtigste Lektion: "Lass dich von nichts aufhalten"
- Ministerin in NEWS: "Mein Vater liebt Österreich"
Die 39-jährige Tochter von Frank Stronach leitete den Magna-Konzern. 2004 stieg sie in die kanadische Politik ein, heute ist sie Ministerin. NEWS traf sie zum Interview in Ottawa.
NEWS: Medien in Kanada sagen, dass Sie Spannung in die Politik bringen. Wie groß sind Ihre Ambitionen? Können wir bald mit einer Premierministerin Stronach rechnen?
Stronach: Ich bin jetzt zwei Jahre Politikerin, und ich habe mich dafür entschieden, weil ich dieses großartige Land noch besser machen will. Und wir stehen vor großen Herausforderungen in dieser globalen Wirtschaft - mit mehr Konkurrenz aus China, Indien oder anderen Schwellenländern, deren soziale Infrastruktur weniger ausgebaut und billiger ist, wo Arbeitnehmer weit weniger Rechte haben oder Ökostandards nur rudimentär existieren. Meine Ambitionen konzentrieren sich zur Zeit darauf, als Ministerin gute Arbeit zu leisten.
NEWS: Wie weit sind Frauen in der Politik gekommen?
Stronach: Nicht weit genug. Hier in Kanada haben wir nur 20 Prozent Frauenanteil in der Politik, während offensichtlich die Hälfte der Gesellschaft weiblich ist. Ich lasse deshalb keine Gelegenheit aus, um Frauen durch meinen Job zu inspirieren. Das Ziel ist: Die Hälfte der Abgeordneten und die halbe Regierung soll aus Frauen bestehen. Meine Botschaft vor allem für Jüngere ist: Verwirklicht eure Träume! Lasst euch nicht einschüchtern!
NEWS: Sind Sie als Politikerin auch von Ihren österreichischen Wurzeln beeinflusst?
Stronach: Absolut. Mein Vater kam hierher auf der Suche nach neuen Chancen und Möglichkeiten - und allein das, was er als Immigrant erlebte, hilft mir heute, Kanadier besser zu verstehen. Gleichzeitig prägen mich auch die Verbindungen zu Österreich, besonders zu meiner Oma, die ja noch dort lebt. Österreich hat einen speziellen Platz in meinem Herzen: Dort sind meine Wurzeln. Es ist ein tolles Land mit großartigen Menschen.
NEWS: In Ihrer Jugend erlebten Sie sowohl die bescheidenen Anfänge Ihres Vaters als auch den Erfolg und den damit verbundenen Geldsegen.
Stronach: Oft nehme ich das alles als gegeben hin und vergesse mitunter selbst, was für eine unglaubliche Story mein Vater hinter sich hat. Er stammt ja selbst aus ganz einfachen Verhältnissen, arbeitete sehr hart, hatte auch ein wenig das Glück des Tüchtigen und agierte oft sehr mutig. Die Lektion daraus: Obwohl es oft nicht leicht ist, Änderungen in seinem Leben vorzunehmen, muss man immer an sich selbst glauben, sich ins Abenteuer stürzen, sich von nichts aufhalten lassen. Ich hoffe immer, dass ich etwas davon abbekommen habe.
NEWS: Ihr Privatleben steht im Rampenlicht der Regenbogenpresse, Ihre Scheidungen, Ihre Freundschaft zu Bill Clinton ...
Stronach: Als Politiker und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens braucht man eine dicke Haut. Ich sage mir stets: Lass dich nicht ablenken!
NEWS: Suchen Sie Bill Clintons Rat?
Stronach: Er ist ein Freund. Er liebt Kanada. Ich suche Rat - und bekomme ihn von vielen.
NEWS: Was ist das Wichtigste, das Sie von Frank gelernt haben?
Stronach: Am meisten fasziniert mich an meinem Vater, wie er seine scharfen Sinne und Instinkte erhalten hat, wie er immer wieder nachfragt: Ist das der beste Weg, um etwas zu erreichen? Dazu: Tappe nicht in die Falle der Bequemlichkeit, folge nicht blindlings ausgetretenen Pfaden, und lass dich niemals von deinen Träumen abbringen, auch wenn viele den Kopf schütteln.
NEWS: Wollte Ihr Vater nach seiner Rückkehr nach Österreich seine Landsleute durch seinen Erfolg inspirieren?
Stronach: Er liebt sein Heimatland und wollte ihm etwas zurückgeben. Und es liegt ihm viel daran, dass Österreich seinen Lebensstandard weiter steigert und wirtschaftlich erfolgreich bleibt.
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