Blair setzt Bau neuer Atommeiler auf die Tagesordnung: Umweltschützer protestieren!
- Premier musste für Rede in Nebenraum ausweichen
Der britische Premierminister Tony Blair hat den Bau neuer Atomkraftwerke zur Debatte gestellt. Die Regierung werde diese Frage bis Mitte des kommenden Jahres in ihrem Konzept zur Energiepolitik entscheiden, sagte der Labour-Politiker bei der Jahrestagung des britischen Arbeitgeberverbandes CBI in London.
Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace protestierten so vehement gegen die Rede, dass Blair in einen Nebenraum ausweichen musste. Sie werfen der Regierung vor, sich bereits für einen Ausbau der Atomenergie entschieden zu haben.
Die Stilllegung von alten Kohle- und Kernkraftwerken werde in 15 Jahren eine Versorgungslücke zur Folge haben, sagte Blair. "Einen Teil davon werden erneuerbare Energien ersetzen, aber sie können nicht alles ersetzen." Sein neues Energiekonzept werde deshalb besonders die Frage behandeln, ob eine neue Generation von Atomkraftwerken entwickelt werden sollte. Er versprach eine klare Entscheidung im Frühsommer 2006.
Greenpeace hält die Erarbeitung des neuen Energiekonzepts jedoch für eine Farce. "Der Premierminister hat sich bereits für die Atomkraft entschlossen und versucht jetzt, die Öffentlichkeit vorzubereiten", sagte Direktor Stephen Tindale.
Demonstranten der Organisation mischten sich vor Blairs Rede unter die Zuhörer und kletterten auf die Deckenbalken der Halle. Sie warfen Flugblätter herab, auf denen stand: "Atom - die falsche Antwort".
Industrieverbände und Regierungsberater fordern neue Investitionen in die Atomenergie, nicht zuletzt weil Großbritannien ansonsten seine international zugesagten Ziele für den Ausstoß von Treibhausgasen verpassen könnte. Kritik wird hingegen wegen der nuklearen Abfälle laut, die für Jahrhunderte gesichert werden müssen. (apa)
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