Dienstag, 29. November 2005

Homosexuellen und Priesterweihe: Vatikan veröffentlichte umstrittenes Dokument

  • "Homosexuelle Handlungen" sind "schwere Sünde"
  • St. Pöltener Bischof Küng verteidigt Homo-Papier

Der Heilige Stuhl hat am Dienstag ein umstrittenes Dokument über homosexuelle Priesteramtskandidaten veröffentlicht. Das Dokument mit dem Titel "Instruktion zu den Kriterien zur Unterscheidung von Berufungen bei Personen mit homosexuellen Tendenzen hinsichtlich ihrer Zulassung zum Seminar und zu Weiheämtern" enthält Richtlinien für die Zulassung Homosexueller zur Priesterweihe.

Die Kirche könne "jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen, die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine so genannte homosexuelle Kultur unterstützen", heißt es in dem achtseitigen Papier.

Männer mit homosexuellen Tendenzen, die nicht seit mindestens drei Jahren keusch leben, sollen dem Dokument zufolge künftig nicht mehr zu Priestern geweiht werden.

Die Abfassung des neuen Dokuments erschien dem Vatikan notwendig, nachdem in einigen Teilen der Weltkirche, vor allem in den USA, Seminarleiter dazu neigten, Probleme mit dem Zölibat dadurch vermeiden zu wollen, dass Studenten mit offensichtlich homosexuellen Neigungen als Priesteramtskandidaten akzeptiert wurden.

Klaus Küng verteidigt Vatikan-Papier
Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng verteidigte das Nein des Vatikan zur Aufnahme von Homosexuellen in Priesterseminare. Die Position des Vatikan begründete Küng unter anderem damit, dass es für Priesteramtskandidaten mit "homosexuellen Tendenzen" schwierig sei, das christliche Bild der Ehegemeinschaft zwischen Mann und Frau glaubhaft zu vertreten.

Weiters verwies Küng auf Probleme in den Priesterseminaren, würden dort homosexuell geneigte Personen Mitglieder werden. Zölibat sei der Verzicht auf Ehe und setze prinzipiell eine heterosexuell orientiere Persönlichkeit voraus. Zurückgewiesen werden von Küng Deutungen, wonach die vatikanische Instruktion mit dem gehäuften Vorkommen der Pädophilie zu tun habe.

Für Grüne Dokument verantwortungslos
"Das Dokument des Vatikans über Homosexualität und Priesterweihe drückt eine verantwortungslose und unchristliche Haltung an der Spitze der katholischen Kirche gegenüber schwulen Männern aus." Diese Einschätzung vertritt die Grün-Abgeordnete Ulrike Lunacek in einer Aussendung. Ihrer Meinung nach widerspricht das Dokument auch der Botschaft des Religionsgründers Jesus, der sich immer für die Ausgegrenzten eingesetzt habe.

Der Vatikan begebe sich mit diesem Dokument zudem "auf menschenrechtliches Glatteis", findet Lunacek. Daher sei auch die EU gefordert, auf dieses Dokument zu reagieren, denn es widerspricht dem Menschenrechtsgedanken, der jede Diskriminierung ablehne: "Der Vatikan stellt sich mit dieser 'Instruktion' gegen zentrale Werte der Europäischen Union", so Lunacek.

Die Grün-Abgeordnete kritisiert auch die Stellungnahme von Bischof Klaus Küng, der zwar im Ton gemäßigter, in der Sache aber ident argumentiere. Lunacek appelliert an die Kirche, "von schwulen zukünftigen Priestern nicht mehr zu verlangen als von heterosexuellen".

Kothgasser differenziert
Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser beurteilt die Vatikan-Direktive, die Homosexuellen den Zugang zum Priesteramt verwehrt, differenziert. "Die bloße Orientierung allein kann kein grundlegendes Hindernis sein", so Kothgasser in der "Presse".

Allerdings setze das eine Reifung der Sexualität voraus, die im zölibatären Leben - wie bei den Heterosexuellen - eine neue Richtung finden müsse. "Ist jedoch eine durchgängige Praxis der Homosexualität vorhanden, hat das schon immer einen Ausschlussgrund bedeutet", sagt Kothgasser. Insofern ändere das römische Dokument nichts an der bisherigen Sicht der Dinge.

So versteht man das auch in Wien: "So wie ich es verstanden habe, geht es nur um Menschen, die in einer homosexuellen Beziehung leben oder sich für das Thema besonders engagieren", so der Leiter des Wiener Priesterseminars Nikolaus Krasa.

Zur römische Instruktion, neben Praktizieren von Homosexualität und der Unterstützung für die "Schwulenkultur" "tief verwurzelte homosexuelle Tendenzen" als separaten Punkt anzuführen, meint Kothgasser, dass Tendenzen gemeint seien, die so stark sind, dass sie vielfach zur Praxis führen.

Nach der sexuellen Ausrichtung wird übrigens schon jetzt gefragt: Manche wie Kothgasser tun das direkt, andere wie Krasa über Umwege: "Es gibt Indizienfragen, etwa nach der Beziehungsgeschichte." (apa/red)

29.11.2005 12:32