Nach angeblicher Falschaussage eines Zeugen: Syrien fordert neuen UNO-Bericht
- Aussagen gegenüber Staatsanwalt Mehlis widerrufen
- Heute werden in Wien Vernehmungen aufgenommen
Nach der angeblichen Falschaussage eines Zeugen bei den Ermittlungen zum Mord am früheren libanesischen Ex-Regierungschef Rafik al-Hariri hat Syrien eine völlige Überarbeitung des UNO-Berichts gefordert. Der Bericht der UNO-Untersuchungskommission unter der Leitung des Berliner Staatsanwalts Detelev Mehlis sei in sich zusammengefallen, sagte der Leiter der syrischen Untersuchungskommission, Ibrahim Darraji, am Montag.
Der Zeuge hatte in einem Interview mit dem staatlichen syrischen Satellitenfernsehen seine Aussagen gegenüber der Mehlis-Kommission zurückgezogen. Er sei zu einer Falschaussage gezwungen worden.
Seine Aussage bei der Kommission des deutschen UNO-Sonderermittlers sei "komplett falsch" gewesen, sagte Hassam Taher Hassam (Houssam Taher Houssam) in dem Interview. Er sei "mit Drohungen und astronomischen Geldsummen" dazu bewegt worden, andere Syrer zu beschuldigen. Im Bericht der Ermittlungskommission hatte es geheißen, es geben "schlüssige Beweise" für eine Verwicklung syrischer und libanesischer Geheimdienste in den Mord.
"Der Ball liegt nun bei der Mehlis-Kommission", sagte Darraji. "Die Ergebnisse basierten auf den Aussagen von zwei Zeugen - von Muhammed Suheir al-Sadik, der jetzt in Frankreich im Gefängnis sitzt, und von Hassam." Der habe jetzt seine Aussage berichtigt.
Am Dienstag sollten die Vernehmungen der UNO-Sonderkommission in Wien wieder aufgenommen werden. Die syrischen Regierungsvertreter, die von der Ermittlungskommission zu den Vorwürfen verhört werden sollen, sollen dort "in den kommenden Tagen" eintreffen, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen erfuhr. Zur Identität der syrischen Beamten lagen zunächst keine Angaben vor. Der Schwager des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, Militärgeheimdienstchef Assef Shawkat, werde jedoch nicht unter ihnen sein.
Nach wochenlangen Verhandlungen hatte Damaskus nach russischer Vermittlung der Vernehmung von fünf Vertretern zugestimmt. Der libanesische Ex-Ministerpräsident Hariri war am 14. Februar bei einem Bombenattentat in Beirut getötet worden. Seit einer Ende Oktober verabschiedeten UNO-Resolution steht Syrien unter starkem internationalen Druck, mit Mehlis zu kooperieren. (apa/red)
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