Seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976: In den USA droht 1.000. Hinrichtung
- amnesty international: "Wirkungslos & fehlerbehaftet"
- Mehr Afro-Amerikaner in Gruppe der Todeskandidaten
In den USA steht die 1.000. Hinrichtung seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 unmittelbar bevor. Im US- Bundesstaat Virginia soll Robin Lovitt am Mittwoch hingerichtet werden, teilte amnesty international (ai) am Montag mit. Die Organisation setzt sich derzeit mit einer "urgent action" für die Aufschiebung der Hinrichtung Lovitts ein.
Etwa die Hälfte der 1.000 Hinrichtungen fanden allein in den zwei südlichen Bundesstaaten Texas und Virginia statt. ai fordert die US- Regierung und die Behörden aller Bundesstaaten auf, alle geplanten Hinrichtungen sofort auszusetzen.
"Die Todesstrafe ist nachweislich wirkungslos, willkürlich und fehlerbehaftet", betonte Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai- Österreich. "Keine glaubwürdige Studie hat jemals bewiesen, dass die Todesstrafe Gewaltverbrechen wirkungsvoller abschreckt als andere Strafen. Seit 1990 sind außerdem mindestens 122 Menschen zum Tode verurteilt worden, deren Unschuld später bewiesen wurde."
Seit 1985 haben weltweit mehr als 50 Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft. In den USA hat der Oberste Gerichtshof in den vergangenen zwei Jahren unter Hinweis auf einen veränderten gesellschaftlichen Konsens die Hinrichtung von zur Tatzeit Minderjährigen sowie geistig Behinderten verboten.
Wirtschaftlich benachteiligte Menschen, darunter viele Afro- Amerikaner, sind in der Gruppe der Todeskandidaten überrepräsentiert. "Ihnen fehlt es meist an Geld, um sich einen Verteidiger leisten zu können. Von Gerichten beauftragte Pflichtverteidiger sind oft unerfahren, inkompetent und unterbezahlt", stellte Patzelt fest.
Zur Zeit wenden weltweit 121 Staaten die Todesstrafe nicht mehr an, 75 Staaten halten an ihr fest. In den USA sind in diesem Jahr bisher 53 Menschen hingerichtet worden. Aus Anlass der drohenden 1.000. Hinrichtung werden ai-Mitglieder am Mittwoch (von 08.00 bis 09.00 Uhr) eine Mahnwache vor der US-Botschaft in Wien abhalten. (apa/red)
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