Nach der Tötung eines Unschuldigen: Untersuchung gegen Londoner Polizeichef
- Ian Blair soll "Öffentlichkeit in Irre geführt haben"
- Innenminister stimmte entsprechender Forderung zu
Mehr als fünf Monate nach der Tötung eines unschuldigen Brasilianers bei der Suche nach Terroristen in London wird nun doch das Verhalten des Polizeichefs Ian Blair untersucht. Innenminister Charles Clarke habe einer entsprechenden Forderung der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung von Beschwerden gegen die Polizei (IPCC) zugestimmt, wurde am Montag offiziell bestätigt.
Clarke hatte zuvor ebenso wie Premierminister Tony Blair erklärt, er habe volles Vertrauen in den Polizeipräsidenten. Er hatte nach der irrtümlichen Erschießung des 27-jährigen Jean Charles de Menezes am 22. Juli in einer Londoner U-Bahnstation widersprüchliche Angaben gemacht. Vor allem geriet Ian Blair unter Druck, weil seine Behörde noch Tage später behauptete, der Brasilianer habe sich verdächtig verhalten. Dies stellte sich jedoch als Fehlinformation heraus.
Die Familie des Polizeiopfers warf Blair vor, die Öffentlichkeit bewusst in die Irre geführt zu haben. Etliche Stunden nach der Tötung des Brasilianers mit mehreren Schüssen erklärte Blair auf einer Pressekonferenz, dies stehe "direkt im Zusammenhang mit der Anti- Terror-Operation" nach den Bombenanschlägen in London am 7. Juli mit 52 Todesopfern.
Der IPCC-Vorsitzende Nick Hardwick erklärte nach Bekanntgabe der Untersuchung gegen Blair: "Wir gehen nicht von irgendeiner Hypothese aus. Wir bemühen uns, die Wahrheit auf unparteiische und angemessene Art in einem vernünftigen Zeitrahmen herauszufinden." Der Polizeichef hatte zuvor geltend gemacht, er habe erst 24 Stunden nach der Tötung von De Menezes von dessen Unschuld erfahren.(apa/red)
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