Montag, 28. November 2005

Erste Kälte-Tote in der Erdbebenregion Pakistans: Neue Tragödie nun befürchtet

  • Wintereinbruch: 3,5 Millionen Menschen obdachlos
  • Viele Städte und Orte durch Schneefall abgeschnitten

Der Winterbeginn hat im pakistanischen Katastrophengebiet die ersten Menschenleben gekostet: Ein drei Monate alter Bub starb an Lungenentzündung, ein Mann an Unterkühlung, wie Ärzte in Muzaffarabad am Montag mitteilten. In Gefahr sind 3,5 Millionen Menschen, die wegen des Bebens vom 8. Oktober obdachlos wurden.

"Wenn wir sie nicht in Unterkünfte bringen, werden sie sterben", sagte der Kommandeur der NATO-Eingreiftruppe, Brigadegeneral Andrew Walton. "Das ist die zweite Katastrophe, die geschehen wird, wenn wir als internationale Gemeinschaft nichts dagegen unternehmen", fügte er hinzu.

Nach Regen- und Schneefällen wurden mehr als 100 Menschen mit Atemwegserkrankungen und Unterkühlung in Krankenhäuser gebracht. Straßen wurden unpassierbar und Hubschrauber konnten wegen des schlechten Wetters nicht mehr starten. Die Truppen im Rettungseinsatz verwenden Fahrzeuge, wenn es möglich ist, müssen aber oft auf Maultiere zurückgreifen, um entlegene Bergdörfer in der pakistanischen Kaschmir-Region zu erreichen. Dieses Gebiet wurde von dem heftigen Erdbeben, bei dem 87.000 Menschen umkamen, am härtesten getroffen.

Straßen unpassierbar
Ein pakistanischer Militärsprecher, Major Farooq Nasir, sagte, die Straße durch das Neelum-Tal sei nach Schneefällen unpassierbar. Diese führt zu Städten und Dörfern an der Grenze zu Indien. Ein Pionier-Bataillon der NATO wurde bei Reparaturarbeiten an Krankenhäusern und Schulen sowie der Versorgung von Gebirgsdörfern im Himalaya vom Wetter ausgebremst. "Es verlangsamt unser Tempo, aber es wird uns nicht stoppen", sagte Bataillonssprecher Pedro Vallestin.

Mohammed Shoaib, Arzt in einem Feldlazarett in der Provinzhauptstadt Muzaffarabad, sagte, allein in seine Einrichtung seien am Montag 40 Patienten gebracht worden, vor allem Kinder und alte Menschen. Andere Krankenhäuser schilderten ähnliche Szenen. Schon vor Einsetzen der heftigen Niederschläge am Wochenende mussten im Katastrophengebiet zahlreiche Menschen ärztlich behandelt werden, weil sie an Atemwegserkrankungen, Durchfall, Krätze oder Tetanus litten.

(apa)

28.11.2005 08:21