Sonntag, 4. Dezember 2005

Auch nach Auffliegen der Affäre: Verkauf von Visa läuft in Belgrad munter weiter

  • Einschlägige Inserate in Zeitung "HALO Oglasi"

In der Belgrader Zeitung "HALO Oglasi" werden nach wie vor "Schengen-Visa" für Länder wie "Frankreich", "Schweden" und "Österreich" feilgeboten. In dutzenden Inseraten werde eine "99- prozentige" Erfolgsgarantie geboten, berichtet eine österreichische Tageszeitung. Auch nach dem Auffliegen der Visa-Affäre an Österreichs Botschaft in Belgrad, so das Blatt, "inserieren in Serbien ansässige Schlepper munter weiter."

Die Machenschaften der Visa-Mafia seien nicht durch die Anstrengungen der Behörden ans Tageslicht gebracht worden, erklärte Helmut Edelmayr, ehemaliger SPÖ-Landtagsabgeordneter und nunmehriger Sprecher des Mauthausen Komitees. "Auslöser war eigentlich eine Mitarbeiterin, die ihren Neffen namens Zoran aus Serbien nach Österreich einladen wollte", erzählte Edelmayr laut "Kurier".

Am 19. Juli 2001 bekam Edelmayr nach eigenen Angaben vom Neffen seiner Mitarbeiterin Kopien der Visa-Annoncen aus den Belgrader Zeitungen. Im Herbst bestätigen Autobus-Chauffeure, die regelmäßig zwischen Wien, Belgrad und Nis verkehren, dass "Visa leicht zu kaufen seien".

Als Edelmayr im April 2002 in einer Ausgabe von "HALO Oglasi" erneut Visa-Inserate gefunden habe, habe er um einen Termin bei Außenministerin Benita Ferrero-Waldner gebeten. "Am 6. Mai 2002 habe ich ihr den gesamten Sachverhalt dargestellt", sagt Edelmayr, "im Juni hat sie mich angerufen und gesagt, es gab keine Verfehlungen. Für mich war die Sache vorerst erledigt."

Die Inserate erschienen weiter, Edelmayr habe auf eigene Faust recherchiert und mit EU-Abgeordneten gesprochen sowie einen Brief an die Staatsanwaltschaft gesandt. Erst nachdem im Oktober 2005 erneut Berichte über möglichen Visa-Betrug erschienen seien, sei er vom Untersuchungsrichter vorgeladen worden, dreieinhalb Jahre nach seinem ersten Besuch im Außenministerium, berichtet der "Kurier".(apa)

4.12.2005 08:12