Freitag, 2. Dezember 2005

Zölibat erneut in Frage gestellt: Wiener Weihbischof Helmut Krätzl für Aufhebung

  • "Ich glaube, man sollte ihn freistellen". Plus UMFRAGE
  • Krätzl hat aber keine Hoffnung auf ein baldiges Aus

Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl spricht sich für eine Aufhebung des Pflicht-Zölibats in der katholischen Kirche aus: "Ich glaube, man sollte ihn freistellen", meint er. Für ihn ist es notwendig, über die Ehelosigkeit ganz anders nachzudenken - "nicht zuletzt aufgrund des dramatischen Priestermangels, wo wir wissen, dass für etliche die Frage der Ehelosigkeit entscheidend dafür ist, dass sie sich nicht weihen lassen."

Allerdings rechnet Krätzl im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" (Samstag-Ausgabe) nicht damit, dass seitens der Kirche sofort entsprechende Schritte eingeleitet werden: Zunächst sei wohl eine Erweiterung des Zugangs zum Priesteramt durch die so genannten Viri probati - also erprobte Männer - zu erwarten.

Grundsätzlich konstatiert Krätzl in der Kirchen einen Reformstau: "Die Kirche scheint mir heute gehemmt im Sprung, zu dem sie vor 40 Jahren (beim zweiten Vaticanum, Anm.) angesetzt hat." Man ziehe sich wieder in sakrale Räume zurück, bedauert der Weihbischof. Dabei dränge die Basis nach Lösungen - etwa in der Frage der Ehe, "wo der Grundsatz der verantworteten Elternschaft neu überdacht werden und nicht durch die Methoden-Frage der Empfängnisverhütung eingegrenzt werden sollte". Ebenfalls Diskussionsbedarf sieht Krätzl in der Frage der geschiedenen Wiederverheirateten.

Der Wiener Weihbischof erreicht im kommenden Jahr das 75. Lebensjahr und muss dann ein Rücktrittsgesuch an den Vatikan übermitteln. Kardinal Christoph Schönborn hat bereits um zwei neue Weihbischöfe angesucht.
(apa)

2.12.2005 16:26