Seilbahnunglück von Sölden: Staatsanwalt ermittelt weiter gegen Hubschrauberpiloten
- Jetzt steht die Flugroute im Visier der Anklage
- Verdacht der fahrlässigen Tötung bleibt bestehen
·Seilbahnunglück in Sölden: Neue Vorwürfe
Zeuge macht den Heli-
Piloten verantwortlich
·Sölden: Gutachten entlastet den Piloten
Gondel-Drama: Fehler in Elektronik als Auslöser
·BILDER: Tragisches Gondelunglück in Tirol
Seilbahn-Katastrophe im Ötztal fordert neun Tote
·Bergbahn erst im Herbst 2002 eröffnet
Modernste Technik und Sicherheitmaßnahmen
·Viele Zwischenfälle in
der Firmengeschichte
Heli Alpin Knaus schon
oft in den Schlagzeilen
Die Ermittlungen der Staatsanwalt in Innsbruck rund um das Seilbahnunglück von Sölden, bei dem neun deutsche Urlauber ums Leben gekommen waren, gehen weiter. Nach einem für den Unglückspiloten entlastenden Gutachten stehe nun die Flugroute im Visier der Anklage, hieß es am Freitag.
Es werde überprüft, ob der Pilot berechtigt gewesen sei, über die in Betrieb befindliche Seilbahn zu fliegen, berichtete die "Tiroler Tageszeitung" in der Freitagausgabe. Die Flugstrecke und die Flugzeit seien in der Alleinverantwortung des Piloten gelegen, erklärte der leitende Staatsanwalt Rudolf Koll. Die Voruntersuchung wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen gegen den Piloten laufe daher weiter.
Ein vom Verkehrsministerium und der Justiz in Auftrag gegebenes technisches Gutachten hatte den Piloten zu Beginn der Woche entlastet. Demnach habe eine Verkettung unglücklicher Umstände zu der Katastrophe geführt. Ein Metallspänchen könnte jenen elektrischen Impuls ausgelöst haben, der zur Betätigung des Lasthakens unterhalb der Unglücksmaschine führte. Dadurch war ein 700 Kilogramm schwerer Betonkübel auf das Seil der Gondelbahn gestürzt. Unter den Toten waren sechs Kinder.
Hinterbliebene wollen Bahn und Flugfirma verklagen
Nach dem Seilbahnunglück in Sölden, bei dem neun deutsche Urlauber ums Leben kamen, wollen die Hinterbliebenen nun die Ötztaler Gletscherbahn und das Helikopter-Unternehmen auf Schadenersatz verklagen. Der Chef der Hubschrauber-Firma, Roy Knaus, erklärte am Freitag auf APA-Anfrage, dass die Klage nicht unerwartet gekommen sei. Der Seilbahnbetreiber reagierte indes mit Unverständnis.
Ein Augenzeuge des Unglücks hatte zuletzt Zweifel an der offiziellen Darstellung des Unglücks gehegt. Dessen Aussagen seien unlogisch, erklärte Knaus. Technisch und flugbetrieblich sei das nicht möglich. Er glaube, dass viele einen technischen Defekt als Unfallursache nicht akzeptieren können. Derartige Aussagen eines Augenzeugen wühlen sicherlich emotional viel bei den Hinterbliebenen auf, sagte Knaus. Vermutlich müsse es einen Schuldigen geben. Ein gerichtliches Verfahren ändere nichts an der Haftungsfrage. Das Unternehmen hafte für das Unglück, sagte Knaus.
Seilbahnchef Jakob Falkner, der sich derzeit im Ausland befindet, konnte sich nicht erklären, warum die Gletscherbahn geklagt werden soll: "Wo soll die Schuld bei uns liegen? Die Ursache war doch offenbar ein Materialfehler beim Hubschrauber". Seit dem Unglück sei man mit den Verletzten und den Hinterbliebenen in Kontakt. "Von einer Klage ist mir nichts bekannt", sagte Falkner.
Am 5. September hatte ein Lastenhubschrauber beim Flug über das Skigebiet einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel verloren. Eine Gondel wurde in die Tiefe gerissen. Aus einer zweiten Gondel wurden durch die Schwingungen des Seils sechs Skifahrer hinausgeschleudert und getötet. Bei dem Unglück starben neun Deutsche, darunter sechs Kinder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Sieben Menschen wurden verletzt, einige schwer.(apa/red)
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