Seilbahnunglück von Sölden: Neuer Zeuge macht den Heli-Piloten verantwortlich!
- Hubschrauber sei angeblich viel zu tief geflogen
- Ermittlungsergebnis der StA für Knaus "unstrittig"
·Sölden: Gutachten entlastet den Piloten
Gondel-Drama: Fehler in Elektronik als Auslöser
·BILDER: Tragisches Gondelunglück in Tirol
Seilbahn-Katastrophe im Ötztal fordert neun Tote
·Bergbahn erst im Herbst 2002 eröffnet
Modernste Technik und Sicherheitmaßnahmen
·Viele Zwischenfälle in
der Firmengeschichte
Heli Alpin Knaus schon
oft in den Schlagzeilen
Das Seilbahnunglück von Sölden soll nach Aussage eines nun neu aufgetauchten Zeugen möglicherweise anders abgelaufen als bislang dargestellt. Ein Mann, der bei dem Unglück aus einer Gondel geschleudert wurde und zunächst nicht vernehmungsfähig war, macht den Piloten des Helikopters für das Unglück mit neun Toten verantwortlich. Das Hubschrauber-Unternehmen Knaus wies diese Darstellung zurück.
Der Hubschrauber ist so tief geflogen, dass der Betonkübel noch am Haken hängend in das Gondelseil gekracht ist", sagte der Zeuge Harald Huber am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht des Südwestrundfunks (SWR).
Ein Sprecher des Hubschrauber-Unternehmens Knaus Helikopter betonte am Donnerstag: "Es gab nicht nur einen Augenzeugen." Zu dem Unfall seien viele Zeugen über mehrere Tage gehört worden. Das Verkehrsministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass ein technisches Problem das Gondelunglück ausgelöst habe.
Ein vom Verkehrsministerium und der Justiz in Auftrag gegebenes technisches Gutachten, dass am Montag öffentlich gemacht wurde, entlastete den Unglückspiloten von Sölden. Wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums der APA sagte, lasse der Bericht den Schluss zu, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände zu der Katastrophe Anfang September geführt hatte, bei der neun deutsche Urlauber ums Leben gekommen waren. Demnach soll ein winziger Metallspan den Lastenhaken ausgelöst haben. Weltweit könnten 1.000 Hubschrauber betroffen sein und müssen nun nachgerüstet werden.
Augenzeuge Harald Huber, der mit zwei Töchtern im Gletschergebiet von Sölden trainiert hatte, widersprach dieser Darstellung. "Der Pilot ist höchstens zehn bis zwölf, aber niemals 150 Meter über uns hinweg geflogen", sagte der 51-jährige der dpa. Huber hatte in der Gondel direkt unterhalb der Kabine gesessen, die von dem Betonkübel getroffen wurde und abstürzte. Er war aus dem Fenster geschleudert und schwer verletzt worden. Lange Zeit lag er im künstlichen Koma.
Dasselbe hatte Huber dem SWR zufolge bei der Kriminalpolizei Karlsruhe ausgesagt. Kurz nach dem Unglück hatte schon ein anderer Zeuge dem Piloten vorgeworfen, den ganzen Tag "knapp über das Seil hinweggeflogen" zu sein.
Dagegen sagte der Sprecher von Knaus Helicopter, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten ergeben, dass der Pilot in einer Höhe von 150 Metern über die Seilbahn geflogen sei. "Diese Version ist unstrittig", betonte er.
Infrastrukturministerium widerspricht Zeugen
Das Infrastrukturministerium hat Donnerstag Abend dem Bericht eines Zeugen zum Seilbahnunglück von Sölden widersprochen, der dem Piloten die Schuld an dem Unfall zugewiesen hat: "Unsere Informationen sind andere", meinte ein Sprecher des Ministeriums Donnerstag Abend auf Anfrage der APA.
Der deutsche Tourist hatte angegeben, der Hubschrauber sei so tief geflogen, dass der Betonkübel noch am Haken hängend in das Gondelseil gekracht ist. Dies sei aber "definitiv nicht der Fall" gewesen, meinte dazu ein Ministeriumssprecher. Es sei allerdings möglich, dass bei dem Mann subjektiv der Eindruck entstanden sei, dass die Last noch am Hubschrauber befestigt gewesen sei, versucht man sich die Zeugenaussagen zu erklären.
Ein vom Verkehrsministerium und der Justiz in Auftrag gegebenes technisches Gutachten hatte den Piloten entlastet und als Ursache für den Gondelunfall mit neun Toten die Verkettung unglücklicher Umstände gesehen. Demnach soll ein winziger Metallspan den Lastenhaken ausgelöst haben.
Sechs Tote bei Unglück
Am 5. September hatte ein Lastenhubschrauber beim Flug über das Skigebiet in Tirol einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel verloren, der auf eine der Gondeln stürzte und sie in die Tiefe riss. Aus einer zweiten Gondel wurden durch die Schwingungen des Seils sechs Skifahrer hinausgeschleudert und getötet. Bei dem Unglück starben neun Deutsche, darunter sechs Kinder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Sieben Menschen wurden verletzt, einige schwer. (apa/red)
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