Nach der Wahlschlappe: Missethon neuer Landesgeschäftsführer der steirischen ÖVP
- Obersteirischer NR-Abgeordneter folgt Schnider nach
- Härteres Auftreten gegenüber der SPÖ zu erwarten
Der Landesparteivorstand der steirischen ÖVP hat mit dem Nationalratsabgeordneten Hannes Missethon (46) den Nachfolger des nach der desaströsen Landtagswahl zurückgetretenen Landesgeschäftsführer Andreas Schnider einstimmig gekürt. Der Obersteirer Missethon begann seinen ersten Auftritt mit harten Ansagen in Richtung SPÖ: "Ich bin im Echtlabor der Sozialisten, in Leoben, aufgewachsen. Ich habe gemerkt, wie stark man dort Gesinnungsdruck auszuüben in der Lage ist." VP-LHStv. Hermann Schützenhöfer würdigte Missethon als einen "Kämpfer mit Steherqualitäten, wie man sie im roten Leoben als ÖVP-Bezirksparteiobmann haben muss".
Er habe diese Personalentscheidung gut überlegt, so Schützenhöfer, und es habe nur einige wenige gegeben, die "wirklich so liegen, wie ich mir das vorgestellt habe", sagte Schützenhöfer. Missethon sei in einem politischen Haus aufgewachsen, kenne die Partei, die Sorgen und Nöte der Unternehmer und könne organisieren und zusammenführen. Der Unternehmensberater meinte am Donnerstag über seine Einstellung: "Ich bin Christdemokrat, auch das ist ein Programm".
Missethon selbst nannte drei Motive, die ihn zur Annahme der Funktion bewogen hätten: "Die hohe Professionalität in der Arbeit der ÖVP, die Kooperation mit dem politischen Vollprofi Schützenhöfer sowie noch eine hochemotionale Sache - ich bin in der roten Ecke des Landes aufgewachsen". Zur Ursache für die verlorene Landtagswahl meinte Missethon auf Journalistenfragen: "Der Wähler hat den Streit nicht geduldet, das war der Hauptauslöser". Die kommenden Schwerpunkte gebe die Nationalratswahl 2006 vor: "Da haben wir aber inhaltlich noch zu arbeiten."
Er werde seine Funktion als Mandatar im Parlament behalten, auch den Posten des Bezirksparteichefs wird er vorerst noch nicht räumen. In Richtung SPÖ gab es einige Kampfansagen: "Das Vorgehen der SPÖ seit dem 2. Oktober hat mich nicht überrascht. Es ist meine Lebenserfahrung von Leoben her, dass sozial nicht mit sozialistisch gleich zu stellen ist." Sein SPÖ-Gegenüber in der Steiermark, Hans Marcher, meinte zu den Aussagen des Obersteirers am Donnerstag in einer Reaktion: "Macht Missethon jetzt die Musik der ÖVP?" Dessen Kür scheine bereits einen "nervösen Beißreflex in Richtung Sozialdemokratie bewirkt zu haben.
Geboren wurde Missethon am 26. Juni 1959 in Hafning-Leoben, er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er absolvierte die Maschinenbau-HTL in Kapfenberg und promovierte an der Montanuni Leoben in Werkstoffwissenschaften. Von 1989 bis 1991 war er Angestellter bei der VA Stahl, bevor sich der Bezirksparteiobmann der ÖVP Leoben (seit 1998) als Unternehmensberater selbstständig machte. Im Bundesrat war er von September 1998 bis Dezember 2002, seither ist der Verkehrssprecher der ÖVP als Abgeordneter im Nationalrat und Mitglied in den Ausschüssen für Industrie, Verkehr, Umwelt, Menschenrechte, Außenpolitik sowie im Ausschuss für Petitionen und Bürgerrechte. (apa/red)
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