Fälle von Mädchenhandel in Litauen: Die Spur der Täter führt sogar nach Österreich!
- Anzeigen wegen Delikts seit 2002 stark angestiegen
- Opfer aus Rumänien, Verdächtige meist Österreicher
Nach einigen Razzien in falschen Modelagenturen, Nachtlokalen und Tanzklubs in der litauischen Hauptstadt Vilnius führt die Spur der mutmaßlichen Mädchenhändler auch nach Österreich. "Es handelt sich um Fälle, die bei uns schon bekannt sind. Die Ermittlungen sind entweder noch im Laufen oder bereits abgeschlossen", bestätigte Oberst Gerald Hesztera vom Bundeskriminalamt (BK).
Eine falsche Modelagentur in der litauischen Hauptstadt Vilnius soll laut einem Bericht der litauischen Tageszeitung "Lietuvos Rytas" junge Mädchen unter anderem an Wiener Etablissements verkauft haben. In dem Zeitungsartikel kam ein "bekannter österreichischer Zuhälter" namens "Thomas" zu Wort, demzufolge der Menschenhandel in Litauen von "sehr reichen Litauern" kontrolliert wird. Die als Models oder Tänzerinnen angeworbenen jungen Frauen wurden "Lietuvos Rytas" zufolge unter anderem um jeweils 10.000 Euro nach Österreich verkauft.
Die Zahl jener Personen, die des Menschenhandels - mit sexueller Ausbeutung, sprich: Prostitution - verdächtig sind und angezeigt wurden, ist in den vergangenen Jahren in Österreich sprunghaft angestiegen. Waren es im Jahr 2002 noch 66 Verdächtige, wurden 2003 bereits 223, 2004 insgesamt 348 Personen angezeigt. Die meisten Opfer von Menschenhandel kamen im Vorjahr aus Rumänien (353), mit 107 Anzeigen liegt jedoch Österreich unangefochten an der Spitze.
Unter den in Vilnius, Kaunas und Klaipeda festgenommenen Personen sind vier Frauen und ein Mann zwischen 22 und 43 Jahren, die allesamt verdächtigt werden, als Vermittler der Geschäfte fungiert zu haben. Außer nach Wien sollen junge Frauen auch nach London, Paris und in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft und dort zu sexuellen Diensten gezwungen worden sein.
Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) ist der Menschenhandel in Litauen seit dem EU-Beitritt des Landes angestiegen. Bis zu 2.000 junge Frauen fallen jedes Jahr in Litauen Menschenhändlern zum Opfer. Ein Teil der Mädchen ist zwischen 14 und 18 Jahre alt. Fast ein Viertel des auch als Trafficking bezeichneten Menschenhandels aus Litauen geht laut IOM nach Großbritannien. (apa)
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