Vatikan-Schreiben gegen die Homo-Ehe: Khol lehnt "Weisung von irgendwoher ab"
- SP-Chef Gusenbauer: "Ich folge meinem Gewissen"
- OGM-Umfrage: 70 Prozent gegen Papst-Aufforderung
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Kaum Verständnis für ein Schreiben des Vatikans, wonach katholische Politiker jedes Gesetz zur rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften verhindern sollen, haben Österreichs Politiker. Nationalratspräsident Andreas Khol (V) sagte in der Fernsehsendung "Report", er lehne "Weisungen von irgendwoher ab". Die ÖVP mache auch keine kirchliche oder christliche Politik, sondern Politik aus christlicher Verantwortung.
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer verwies auf das freie Mandat. "Ich folge in erster Linie meinem Gewissen und nicht irgendwelchen Anweisungen der Kongregation". Umweltminister Josef Pröll (V) sagte, er halte von den Vorgaben Roms "nicht viel. Ich brauche keine Direktiven, nicht aus Rom, nicht woandersher". Die Trennung Staat Kirche sei sehr erfolgreich und daran halte er sich. Der eine solle dem anderen in diesem Bereich nichts ausrichten.
Laut einer aktuellen OGM-Umfrage sind 70 Prozent der Österreicher gegen die Papst-Aufforderung, gegen homosexuelle Lebensgemeinschaften zu stimmen. 24 Prozent finden dies für richtig. 26 Prozent wollen, dass die Politiker mehr auf die Kirche hören, 65 Prozent sind dagegen.
Khol meinte, die ganze Debatte über das Vatikan-Dokument sei "künstlich". Der Papst sei der Heilige Vater und eine "wichtige Quelle und Autorität des Glaubens und in Sittenfragen". Allerdings "niemand nimmt mir meine Entscheidung ab. Ich mache mir meine Entscheidung mit meinem eigenen Gewissen" aus. Das Gewissen sei auch die oberste Richtschnur. Gleichzeitig betonte Khol, dass er weiterhin gegen eine Ehe für Homosexuelle sei, auch nicht für eine Ehe light.
Der Pastoraltheologe Paul Zulehner zeigte sich über die Diskussion amüsiert. "Es erheitert mich, dass offenbar nur mehr Homosexuelle und Pfarrer die sind, die heiraten wollen, die anderen gehen teils locker mit der Institution Ehe um". Ein Politiker könne sich nicht hinter römischen Dokumenten verstecken, ohne seine eigene Meinung gebildet zu haben. Vielleicht sage dann der Vatikan, dass die Meinung des Politikers irrig sei, aber man werde dem auch Respekt entgegenbringen. (apa/red)
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