Dienstag, 29. November 2005

Grüne fordern Kindergeldänderung: Karenz-modell mit 80 % des Einkommens geplant

  • Glawischnig: Mehr Väter sollen in Karenz gehen
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Die Grünen haben ihr Karenzmodell offiziell präsentiert. Dieses sieht im Wesentlichen ein einkommensabhängiges Karenzgeld sowie einen leichteren Wiedereinstieg von Frauen ins Berufsleben vor, bekräftigte Grünen-Vizechefin Eva Glawischnig ihre Aussagen. Die Auszahlung von 80 Prozent des bisherigen Einkommens bei einer kürzeren Bezugszeit soll ein Anreiz für den besser verdienenden Partner sein, in Karenz zu gehen.

Wie die Familiensprecherin der Grünen, Sabine Mandak, ergänzte, werde dieses Modell "nicht mehr kosten, weil es sich um ein gerafftes Modell" handle. Ziel der Forderung sei, "dass sich Mütter und Väter sowohl die Familien- als auch die Erwerbsarbeit aufteilen".

In Österreich seien derzeit schließlich nur drei Prozent der Väter in Karenz, während es etwa in Schweden 20 Prozent seien, so Mandak. Das Vier-Säulen-Modell aus Mutterschutz, verpflichtendem "Papa-Monat", Karenzgeld in Höhe von 80 Prozent des Einkommens und einem Fixbetrag ohne Zuverdienstgrenzen zielt demnach in Richtung mehr Partnerschaftlichkeit und verbesserter Vereinbarkeit von Kind und Berufsleben.

Zudem soll die Kinderbetreuungssituation verbessert werden, erläuterte Frauensprecherin Brigid Weinzinger. Dies sei immer noch ein Haupthinderungsgrund dafür, dass Frauen nach der Karenz nicht in die Erwerbsarbeit zurückkehrten. Dies schaffen laut den Grünen nur vier von zehn Frauen.

Im Zuge dessen übte Glawischnig auch heftige Kritik am Familienmodell der Bundesregierung. Dieses stütze das "Haupternährer-Zuverdiener-Schema" und hindere Frauen damit, selbstständig am Erwerbsleben teilzunehmen.

Kritik von ÖVP und SPÖ
Sowohl ÖVP als auch SPÖ fragen nach der Finanzierbarkeit des heute präsentierten Karenzmodells der Grünen. Die SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer meinte in einer Aussendung etwa, dass die Grünen bei der Finanzierbarkeit "ins Schleudern" gekommen seien. Die ÖVP-Familiensprecherin Ridi Steibl befand, dass die Finanzierbarkeit und Ausgewogenheit überhaupt außer Acht gelassen wurde.

"Dass das Interesse der Stellvertretenden Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, aus gegebenem Anlass in Richtung Karenz geht, ist noch zu verstehen, aber dabei soll sie die Finanzierbarkeit und Ausgewogenheit eines Modells nicht außer Acht lassen", kann sich Steibl einen Hinweis auf die Schwangerschaft der Parteivizechefin nicht verkneifen.

Außerdem gehe der Vorschlag der Grünen in eine mehr als einseitige Richtung, bei der "finanzielle und zeitliche Kürzungen drohen, wenn die Väter die Karenzzeit nicht nützen". Steibl merkte auch an, dass die Grünen mit ihrer Forderung nach einem einkommensabhängigen Karenzgeld teilweise wieder zurück zur alten Regelung wollen würden. Dann tendiere man aber wieder in Richtung "Zweiklassengesellschaft": "Was ist mit den Schülerinnen, Studentinnen, Bäuerinnen und Vollhausfrauen?", fragte sich die ÖVP-Familiensprecherin.

Anders sieht das freilich Barbara Prammer, SPÖ-Frauenvorsitzende: Sie forderte eine sofortige Änderung beim Karenzmodell der Regierung. Das SP-Modell "Kindergeld plus" , das eine flexiblere Zuverdienstgrenze sowie mehr Geld bei kürzerem Bezug vorsieht, sei die Antwort. Das Modell werde schließlich auch von den Sozialpartnern unterstützt, erinnerte Prammer an die Forderung der Arbeiterkammer (AK) und der Industriellenvereinigung (IV) nach einer Reform des derzeitigen Karenzmodells der Regierung.

(apa/red)

29.11.2005 17:27