Stichwort Lawine: "Weißer Tod" fordert in Österreich jedes Jahr Dutzende Opfer!
- Viele Wintersportler schlecht informiert & unvorsichtig
Jeden Winter sorgen Lawinenunglücke in Österreich für Tote und Schwerverletzte. Schuld ist meist leichtsinniges Verhalten und Unwissenheit über das richtige Agieren im alpinen Gelände. Die Statistik des Lawinenwarndienstes spricht eine deutliche Sprache: Allein in der vergangenen Saison (2004/2005) gab es 52 Lawinentote in Österreich. Spitzenreiter war Tirol mit 25. Das Schlusslicht bildete Kärnten mit einem Opfer.
Um einer Bilanz wie dieser entgegenzuwirken, ist die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Steiermark (ZAMG) um Aufklärung bemüht: "Zum Beispiel ist die Kenntnis über den Informationsgehalt der fünf möglichen Gefahrenstufen im Lawinenlagebericht bei Wintersportlern oft erschreckend gering", wissen die Experten zu berichten. Es komme sogar vor, dass erst bei einem "Dreier" (erhebliche Lawinengefahr, Anm.) ein wenig mehr Acht gegeben wird. Um Gefahrenstufen richtig einschätzen zu können, sind laut ZAMG Kartenlesen, Orientierung, Lawinen- und Wetterkunde und vieles mehr erforderlich.
Was bedeuten nun aber die ganzen Fachbegriffe, mit denen die Experten um sich werfen: Eine Einwehung gibt es an Hangbereichen und Sektoren, in die durch den Wind zusätzlich Schnee eingetragen wurden. Die Exposition stellt die Himmelsrichtung dar, in die der Hang abfällt - ein Nordhang fällt z. B. nach Norden ab. Eine Lockerschneelawine ist eine trockene oder nasse Lawine, die an einem Punkt beginnt und sich in einer typisch birnenförmigen Form ausbreitet. Im Unterschied dazu entsteht ein Schneebrett durch den Abbruch einer so genannten Schneetafel. Es ist durch einen linienförmigen, quer zum Hang verlaufenden Anriss charakterisiert.
Einen durch den Wind hervorgerufene Umlagerung von Schnee nennt der Experte Verfrachtung. Sie beginnt ab einer Windgeschwindigkeit von rund 15 km/h bei lockerem Schnee und ab 35 km/h bei etwas verfestigten Schnee. Die Kristalle von derart verfrachtetem Schnee werden dabei zerstört. Dadurch nimmt die Dichte zu und der Schnee kann zunehmend unter Spannung stehen ("Schneebrett"). Schwachschichten sind Lagen innerhalb der Schneedecke, die eine geringe Festigkeit aufweisen, so dass Brüche im Kristallgefüge entstehen können. Die Waldgrenze ist die klimatisch und forstgeschichtlich bedingte Grenzzone, bis zu der ein Wald noch eine lawinenschutzwirksame Funktion ausüben kann.
Die Kenntnis über den Informationsgehalt der fünfstelligen europäischen Lawinengefahrenskala ist von größter Bedeutung: Eins bedeutet "geringe Gefahr", zwei - "mäßig", drei - "erheblich", vier - "groß" und fünf - "sehr große Lawinengefahr". "Die Lawinenwarnstufe drei wird im Allgemeinen schon von vielen unterschätzt", hieß es seitens der ZAMG, "dabei passieren in dieser Stufe die meisten tödlichen Skifahrerlawinen." Außerdem sei es nur eine fünfteilige Skala, also dürfe man auch Stufe drei nicht missachten.
(apa/red)
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