Hubschrauber-Pilot nicht schuld an Sölden- Tragödie: Defekt führte zu Gondel-Unglück!
- Fehler in Elektronik: 700 kg-Kübel fiel auf Seilbahn
Pilot über Beweis der Schuldlosigkeit erleichtert - Neun Urlauber bei Unglück im September getötet
PLUS: Die BILDER der Katastrophe im Tiroler Ötztal
·BILDER: Tragisches Gondelunglück in Tirol
Seilbahn-Katastrophe im Ötztal fordert neun Tote
·Bergbahn erst im Herbst 2002 eröffnet
Modernste Technik und Sicherheitmaßnahmen
·Viele Zwischenfälle in
der Firmengeschichte
Heli Alpin Knaus schon
oft in den Schlagzeilen
Ein vom Verkehrsministerium und der Justiz in Auftrag gegebenes technisches Gutachten entlastet nun den Unglückspiloten von Sölden. Wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte, lasse der Bericht den Schluss zu, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände zu der Katastrophe Anfang September geführt hatte, bei der neun deutsche Urlauber ums Leben gekommen waren. Demnach soll ein winziger Metallspan den Lastenhaken ausgelöst haben. Weltweit könnten 1.000 Hubschrauber betroffen sein und müssen nun nachgerüstet werden.
Derzeit sei das Gutachten auf dem Weg zum Ministerium und zur Innsbrucker Justiz, hieß es im Verkehrsministerium. Das Metallspänchen könnte jenen elektrischen Impuls ausgelöst haben, der zur Betätigung des Hakens unterhalb der Unglücksmaschine führte. Dadurch war ein 700 Kilogramm schwerer Betonkübel auf das Seil der Gondelbahn gestürzt. Unter den Toten waren sechs Kinder.
Das Gutachten werde nun in einen Endbericht mit weiteren Empfehlungen eingearbeitet. Dabei gehe es um die Fertigung "gewisser Teile" sowie um eine "Optimierung bei der künftigen Wartung". Es gebe aber keine Hinweise auf Mängel bei den von der Hubschrauberfirma durchgeführten Wartungen. Dabei seien laut Untersuchungen "keine Fehler" passiert, erklärte der Sprecher des Ministeriums.
Unglückspilot freut sich über "vorzeitiges Weihnachtsgeschenk"
Der Unglückspilot von Sölden, der Tiroler Markus Jäger (35), freute sich über das technische Untersuchungsergebnis. Seine Vermutungen des technischen Gebrechens hätten sich bestätigt. "Für mich ist das ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk, der Nachgeschmack der Toten aber bleibt", sagte Jäger zur APA. Ihm sei "ein Riesenstein vom Herzen gefallen", als er über die Medien vom Ergebnis der Untersuchungen erfahren habe. "Ich habe gewusst, dass es ein technischer Fehler sein muss, weil ich weder gedrückt noch gefunkt habe", beteuerte Jäger.
Für ihn bleibe trotzdem die Frage, warum ausgerechnet ihm das passieren habe müssen. Würde man genau oberhalb der Seilbahn mit dem Betoncontainer stehen bleiben und versuchen, das Seil zu treffen, hätte man vermutlich gar keine Chance, meinte der Pilot. "Aber auf das Warum gibt es keine Antwort, da kommt man auf keinen grünen Zweig", sagte Jäger.
Pilot darf wieder fliegen
Der Chef der Salzburger Helikopterfirma Knaus, Roy Knaus, will Jäger wieder fliegen lassen. Der Pilot werde ab Dezember mit einer Maschine unterwegs sein, sagte Knaus.
Die bisherigen Vermutungen seien durch das Gutachten bestätigt, meinte Knaus. Bei ihm seien zwei Maschinen des Typs Lama betroffen gewesen. Bei beiden Hubschraubern sei unmittelbar nach dem Unglück der Schalter getauscht worden, in dem durch Abrieb der fehlerhafte Impuls ausgelöst worden war. Weltweit seien etwa 1.000 Maschinen des französischen Herstellers betroffen, vermutete der Hubschrauberchef. In Österreich verfüge neben einem Mitbewerber auch das Bundesheer in den Alouette-III- und Alouette-IV-Maschinen über derartige Schalter. Dort habe man mittlerweile bei Untersuchungen ähnliche Effekte festgestellt, berichtete Knaus.
(apa/red)
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