Grabenkrieg: Die grüne Sinnsuche

Warum die Grünen aus Frust intern streiten, statt sich für die Mutter aller Wahlschlachten 2006 zu rüsten. Wie die Parteiführung verzweifelt Wege aus der Krise sucht. Und wie die grüne Gründergeneration jetzt abrechnet.
Kleine Anlässe ziehen oft große Wirkung nach sich: Dass die Wiener Grünen die Lainz-Skandal-Aufdeckerin Sigrid Pilz partout nicht in den Kontrollausschuss wählen wollten, hätte um ein Haar die Partei, die 2006 so gern mitregieren will, gespalten. Und es offenbarte ein gravierendes inhaltliches und personelles Problem der Ökopartei:
Alexander Van der Bellen im Bund und Maria Vassilakou in Wien haben die Partei kaum noch im Griff. Bis dato war der 61-jährige Professor der erste Grünen-Chef, der es schaffte, die traditionell wie ein Flohzirkus agierenden Grünen nach außen hin erstaunlich geschlossen zu präsentieren. Mit den Enttäuschungen bei den drei Landtagswahlen im Herbst brachen freilich nun viele Dämme: In der Steiermark weigert sich Wahlverliererin Ingrid Lechner-Sonneck beharrlich, zurückzutreten. Und in Wien, so die offizielle Sprachregelung, habe man eh zugelegt. Und über Änderungen, so der Plan der Van-der-Bellen-Getreuen, wollte man schlicht nicht diskutieren.
Doch erstens kam es anders, zweitens als man dachte: Die Wiener Grünen-Truppe um die Fundis David Ellensohn, Monika Vana und Martin Margulies, traditionell unzufrieden mit der Schlafwagenpolitik der Parteispitze, handelte, statt lang zu diskutieren: Sie übernahm personell die Macht bei den Wiener Grünen.
Der Aufstand der Oldies und der Jungen. Seither ist die Aufregung perfekt: Während Parteichef Alexander Van der Bellen es vorzieht, bei den baden-württembergischen Grünen die dortige schwarz-grüne Koalition zu studieren, und Vizechefin Eva Glawischnig für Kopfschütteln über die Seitenblicke-Präsentation ihrer Schwangerschaft sorgt, schert sich weder bei den Parteioldies noch bei den jungen Fundis jemand um von oben verordnete Diskussionsverbote: Die Parteigründer-Generation etwa deklariert sich glasklar für Rot-Grün und sorgt sich um anscheinend pragmatisierte Eliten der Grünen.
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