Freitag, 25. November 2005

Gurría wird neuer OECD-Generalsekretär: Setzt sich gegen Polens Ex-Premier durch

  • Mexikaner übernimmt am 1. Juni 2006 von Johnston

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bekommt erstmals einen Chef aus einem Schwellenland: Wie die OECD in Paris bekannt gab, setzte sich der frühere mexikanische Finanz- und Außenminister Ángel Gurría in der letzten Auswahlrunde als künftiger OECD-Generalsekretär gegen Polens vor kurzem zurückgetretenen Regierungschef Marek Belka durch.

Belka zog seine Kandidatur zurück; damit ist der Mexikaner, für den sich eine "breite Mehrheit" unter den Botschaftern der 30 OECD-Staaten aussprach, nunmehr einziger Anwärter. Gurría soll sein Amt am 1. Juni 2006 vom Kanadier Donald Johnston übernehmen. Belkas Bewerbung war unter anderem von Deutschland unterstützt worden.

Der 55-jährige Gurría - dessen vollständiger Name José Ángel Gurría Trevio lautet - gilt als Währungs- und Finanzfachmann von internationalem Rang. 1994 trug er maßgeblich dazu bei, in seiner Heimat eine Finanzkrise beizulegen. Bekannt wurde der mit zahlreichen Auszeichnungen bedachte Volkswirt zudem durch Auftritte beim jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos. Am kommenden Mittwoch soll er vom OECD-Rat offiziell zum künftigen Generalsekretär bestimmt werden. Die Organisation der Industriestaaten braucht nach Ansicht zahlreicher Experten und auch ihres scheidenden Chefs Johnston eine weit reichende Reform.

Um den Spitzenposten in Paris hatten sich zunächst sechs Kandidaten beworben, darunter der frühere französische Finanzminister Alain Madelin sowie die Wirtschaftsexperten Han Seung Soo aus Südkorea und Allan Fels aus Australien. Drei Auswahlrunden waren nötig, um das Bewerberfeld zu lichten; vor Belka hatte zuletzt die japanische Wirtschaftswissenschaftlerin Sawako Takeuchi das Handtuch geworfen. Seit ihrer Gründung 1961 hatte die OECD vier Chefs. Die ersten drei stammten aus Europa: der Däne Thorkil Kristensen, der Niederländer Emile Van Lennep und der Franzose Jean-Claude Paye.
(apa)

25.11.2005 18:30