Gerüchte um Mobilkom-Verkauf: ÖIAG und Telekom dementieren
- Chef-Sessel von Sundt wackelt offenbar trotzdem
- ÖIAG-Vorstand: Vollprivatisierung nicht über Börse
Bei der börsenotierten Telekom Austria werden am 12. und 13. Dezember im Aufsichtsrat die Weichen für die Zukunft des Unternehmens gestellt. Zunächst soll eine neue Struktur fixiert werden, wodurch nach dem Mobilfunk auch das Festnetz unter einer Holding zumindest ein eigener Rechnungskreis wenn nicht ein eigenes Unternehmen werden soll, wie ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis am Montag bestätigte. "Kein Thema" ist Michaelis zufolge ein Börsegang der Mobilkom. Dennoch könnte im Dezember zumindest eine Vorentscheidung fallen, ob der Vertrag des amtierenden Telekom Generaldirektors Heinz Sundt verlängert wird oder nicht.
Sundt gilt als Gegner eines Mobilkom-Börsegangs, weil dadurch das Unternehmen geteilt würde. Zuletzt war daher heftig über eine vorzeitige Ablöse Sundts diskutiert worden. Sundt selbst wagte sich am Montag vor und betonte in einer Stellungnahme auf APA-Anfrage: "Bei der Telekom Austria existieren keine Pläne zur Veräußerung von Mobilkom Austria-Anteilen."
Allerdings spekulieren Medien, solle durch einen Abgang des Telekom-Generals auch der Chefsessel vorzeitig für Mobilkom-Chef Boris Nemsic reserviert werden, der ansonsten womöglich zur Konkurrenz, etwa zu Vodafone, wechseln könnte. In Aufsichtskreisen hieß es zuletzt, dass Sundt deshalb ein "Angebot bekommen könnte, das er nicht ablehnen kann".
Wie Michaelis bestätigte, wird es nun im Dezember-Aufsichtsrat auch um die künftig "Anzahl der Vorstandsfunktionen" und eine "Ermächtigung des Personalausschusses" gehen, um den Aktionären so früh wie möglich Klarheit zu verschaffen, wer die Telekom in Zukunft führen werde. Dass Sundts Vertrag dabei schon vorzeitig aufgelöst werden soll, dementierte der ÖIAG-Vorstand nur vorsichtig: Der Vertrag Sundts laufe bis April 2007 und "selbstverständlich wird dieser Vertrag eingehalten werden".
Dass damit eine vorzeitige Auflösung des Vertrages dezediert kein Thema sei, wollte Michaelis aber so nicht verstanden wissen. Bis zum Ende seines jetzigen Vertrages sei Sundt 60 Jahre alt. Und ÖIAG-Co-Vorstand Rainer Wieltsch betonte auf die Frage, ob Sundt bis dahin selbst sein Amt niederlegen könnte: "Das ist seine Entscheidung."
Der Telekom-Betriebsrat hatte sich zuvor demonstrativ hinter den amtierenden Generaldirektor gestellt. Die öffentliche Debatte über die Vorstandsbesetzung schade dem Unternehmen. Außerdem gebe es "keinen Grund, Sundts Vertrag vorzeitig aufzulösen", meinte Betriebsratschef Michael Kolek Montagmorgen zur APA. Außerdem sprach er sich klar dagegen aus, die Telekom zu "zerreißen".
Die ÖIAG hält derzeit an der Telekom Austria noch 30,2 Prozent - inklusive einer 5-prozentigen Umtauschanleihe. Bei "der derzeitigen Kursentwicklung" geht der ÖIAG-Vorstand davon aus, dass die Investoren ihre Anleihen "spätestens Mitte 2006" in Telekom Austria-Aktien wandeln werden. Anfragen für eine vorzeitige Wandlung gebe es bereits.
Für die restlichen 25,2 Prozent sucht die ÖIAG "proaktiv keinen Käufer" in dieser Legislaturperiode. Sollte sich ein Interessent finden, der die Kriterien des Privatisierungsauftrags der Regierung erfüllt, werde die ÖIAG "sicherlich ein Prüfverfahren einleiten". Eine Vollprivatisierung über einen weiteren Telekom-Börsegang werde es aber nicht geben, um nicht Tür und Tor für eine feindliche Übernahme zu öffnen, betonte Michaelis.
Für einen raschen Gang an die Börse plädiert der ÖIAG-Vorstand dagegen bei der Post. Die Verstaatlichten-Holding habe der Regierung die "Empfehlung gegeben, die Post zum raschest möglichen Zeitpunkt an die Börse zu bringen", sagte Michaelis. An die Börse gebracht werden sollen demnach 50 Prozent minus eine Aktie. Investoren würden es schätzen, wenn sie einen möglichst langen Vorlauf bis zur nächsten Veränderung haben. Drei Jahre vor der Vollliberalisierung seien daher "ein guter Zeitpunkt, um mit der Post an die Börse zu gehen".
Aus Regierungskreisen hieß es zur APA zwar, dass der Ministerrat voraussichtlich entgegen der bisherigen Erwartungen heuer keinen entsprechenden Privatisierungsauftrag erteilen wird. Laut ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch wäre ein Post-Börsegang vor den Wahlen im Oktober 2006 aber auch dann noch möglich, wenn der Privatisierungsauftrag erst im nächsten Jahr erfolgt. Weil die Post ihr Rechnungswesen ohnehin verbessert habe, reichten mittlerweile vier bis sechs Monate als Vorbereitungszeitraum.
Bedenken der Gewerkschaft, die mit Streik droht weil sie einen Börsegang 2006 für verfrüht hält, wies Michaelis am Montag zurück. Auch bei anderen mittlerweile privatisierten Unternehmen hätten Kritiker damals behauptet, dass ein Börsegang verfrüht sei, und damit nicht recht behalten, so der ÖIAG-Vorstand - womöglich auch in Richtung Sundt, der seinerzeit für eine Verschiebung des Telekom-Börsegangs war.
Michaelis Beleg: Telekom Austria-Aktien, die beim Börsegang vor fünf Jahren 1.000 Euro wert waren, sind heute knapp über 2.000 Euro wert. Aktionäre der ersten Stunde beim Flughafen Wien würden für 1.000 Euro, die sie beim Börsegang eingesetzt haben heute 3.200 Euro erhalten, Böhler-Uddeholm-Aktien 3.400 Euro, voestalpine-Aktien 3.600 Euro und OMV-Aktien stolze 14.000 Euro.
Wenig erfreulich dagegen war die Kursentwicklung dagegen bei der AUA. Wer beim ersten Börsegang der AUA Aktien für 1.000 Euro gekauft hat, bekommt heute dafür nur noch 439 Euro. Dennoch denkt man in der ÖIAG nicht an einen Verkauf: Von einer "lahmen Ente" könne bei der AUA keine Rede sein. Ziel sei es, "ergebnismäßig auch ohne Hilfe von Außen wieder eine nachhaltig positive Bilanz" in der AUA zu erreichen, wie Wieltsch betonte. Die Suche nach einem neuen AUA-Chef hat die ÖIAG bereits eingeleitet.
(apa/red)

