Dienstag, 22. November 2005

Rekord-Halbjahr für Voestalpine: Betriebs-Gewinn des Stahlkonzerns fast verdoppelt

  • Steigerung auf 371 Mio. € - Konzernumsatz gesteigert
  • PLUS: Die Konzern-Kennzahlen im genauen Überblick

Österreichs größter Stahlkonzern Voestalpine hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2005/06 angehoben und peilt ein weiteres Rekordergebnis an. Nach einem fulminanten ersten Halbjahr, das eine Gewinnverdoppelung brachte, erwartet Voest-Chef Wolfgang Eder nun einen operativen Erfolg (Ebit) von mehr als 600 Mio. Euro. Bisher hat es geheißen, das Betriebsergebnis werde zumindest das Vorjahresniveau erreichen (2004/05: 552,5 Mio. Euro).

Eine höhere Dividende hat Eder heute, Dienstag, nicht ausgeschlossen: "Wenn die Ergebnisentwicklung so kommt, wie wir das erwarten, werden wir darüber nachzudenken haben." Für 2004/05 hatte die Voest 2,10 (nach 1,60) Euro je Aktie ausgeschüttet, wobei die Basisdividende von 1,25 auf 1,50 Euro und der Bonus von 35 auf 60 Cent angehoben wurde.

Dank guter Nachfrage in den Kernmärkten läuft das Geschäft des börsenotierten Linzer Großkonzerns, der seit dem Rückzug der staatlichen ÖIAG Ende August ganz in privaten Händen ist, auch 2005/06 auf Hochtouren. Für den Umsatz rechnet Eder weiter mit einem Anstieg von 5,8 Mrd. Euro auf erstmals mehr als 6 Milliarden. Auf der "Gewinn-Messe" hatte der Voest-Boss vor wenigen Wochen angedeutet, der Konzernumsatz werde "eher bei 6,5 als bei 6 Milliarden Euro" liegen.

Bei langfristigen Lieferverträgen für die Autoindustrie hat die Voest zuletzt deutlich höhere Preise durchsetzen können. Insgesamt geht es um ein Liefervolumen von 900.000 Tonnen. Drei Viertel dieser Verträge sind für die nächsten Jahre mittlerweile abgeschlossen worden. Noch in Verhandlungen über höhere Preise ist die Voest mit der Hausgeräteindustrie.

Eine gewisse Entspannung sieht Eder bei den Preisen für Rohstoffe (wie Erz, Koks, Kohle und Schrott), die in der jüngeren Vergangenheit zum Teil massiv angestiegen sind, ausgelöst durch den Stahlhunger Chinas. Im Großen und Ganzen sei im kommenden Jahr mit stabilen Rohstoffpreisen zu rechnen: "Von leicht steigend bis leicht sinkend ist alles möglich." Dass die Preise nochmals mit der Dramatik wie in den vergangenen beiden Jahren steigen werden, glaubt Eder nicht.

An ihrem Hauptstandort in Linz steht die Voest vor einer weiteren Großinvestition. Nach dem Abschluss der zweiten Stufe des milliardenschweren Ausbauprogramms "Linz 2010", das im Frühjahr 2007 umgesetzt sein wird, sollen nochmals 400 bis 500 Mio. Euro in den Umbau und die Modernisierung kleinerer Hochöfen rund um den neuen Großhochofen investiert werden.

Im Laufe des Jahres 2008 soll es soweit sein. Da will Eder dann den Startschuss für dieses Folgeprojekt geben. Geplant ist, die Rohstahlkapazität bis 2011/12 von 5,5 auf 6,5 Millionen Tonnen hochzufahren. Einem standortpolitischen Grundsatzkonzept haben die Stadt Linz und das Land Oberösterreich bereits zugestimmt. Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wird laut Eder mindestens zwei Jahre dauern.

Das neue Schienenwalzwerk am steirischen Standort Donawitz, laut Voest das weltweit modernste, nimmt seine Produktion Anfang Februar 2006 auf. Rund 66 Mio. Euro sind für diese Investition veranschlagt. Das alte Werk wird bereits Ende November außer Betrieb genommen.

Um mehr aus Stahl statt mehr Stahl zu machen, rüstet die Voestalpine demnächst ihre Verarbeitungssparten mit weiteren Akquisitionen auf. Bis Sommer 2006 sollen 200 bis 400 Mio. Euro an Umsatzvolumen zugekauft werden.

In der Sparte Profilform (Profile) ist die Voest bei der Akquisition eines russischen Firma mit 300 Mitarbeitern und rund 30 Mio. Euro Umsatz in der Zielgeraden. Ebenfalls kurz vor dem Abschluss steht der Konzern bei der Übernahme eines Weichenwerks in Brasilien für sein Bahngeschäft. Das südamerikanische Werk beschäftigt 40 Mitarbeiter und setzt 5 Mio. Euro um.

Für das Autozuliefer-Geschäft, zuletzt von "Motion" in "Automotive" umbenannt, halten die Linzer vor allem in Zentral- und Osteuropa, wo große internationale Autobauer zunehmend Produktionsstandorte hochziehen, Ausschau nach Akquisitionen. Konkrete Übernahmeziele wurden heute nicht genannt. Aber: "In den nächsten zwölf Monaten wird es sicher die eine oder andere Akquisition geben", so Eder.

Das bisherige Ziel der Sparte, ab 2010 gesamte Karosserien anzubieten, ist indes in den Hintergrund getreten. Das sei "nicht mehr alleiniger Fokus. Wir werden uns auf Spezialitäten an der Karosserie konzentrieren", sagte Eder. "Da gibt es nicht viele Stahlhersteller, die das können."

Für das erste Halbjahr 2005/06 hat die Voest, die zuletzt 23.548 Mitarbeiter beschäftigte, heute ihr bisher bestes Ergebnis gemeldet. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg um 92,1 Prozent auf 371,5 Mio. Euro, der Umsatz um knapp ein Fünftel auf 3,26 Mrd. Euro. Beim Ergebnis vor Steuern wies die Voest einen Gewinn von 347,9 Mio. Euro aus, der sich damit gegenüber dem Vorjahreswert von 172,9 Millionen mehr als verdoppelt hat. Der Periodenüberschuss legte um 134,4 Prozent auf 260,4 Mio. Euro zu. Der Gewinn pro Aktie belief sich auf 6,49 (nach 2,71) Euro.

Mit den heute vorgelegten Halbjahreszahlen hat die Voest die Erwartungen der Analysten leicht übertroffen. An der Wiener Börse notierte die Stahlaktie im Frühhandel mit 74,15 Euro um ein halbes Prozent fester, seit Jahresbeginn hat der ATX-Titel knapp 30 Prozent zugelegt.

(apa)

22.11.2005 08:10