Montag, 21. November 2005

Ex-EIB-Vize Nowotny ist neuer BAWAG-Chef:
Nachfolger von Zwettler ab 1. Jänner im Amt

  • SPÖ-Wirtschaftsberater und Vizerektor der WU Wien
  • ÖGB-Chef Verzetnitsch: "Bringt Ruhe in Bank hinein"

Bei der nach dem Kreditdebakel um den mittlerweile insolventen US-Börsenbroker Refco in schiefes Licht gerückten Gewerkschaftsbank BAWAG/P.S.K. geht es jetzt Schlag auf Schlag: Nach der überraschenden Rücktrittserklärung von BAWAG-Boss Johann Zwettler per Jahresende Ende der Vorwoche folgte ebenso unerwartet die Nachbestellung: Neuer Mann an der BAWAG-Spitze wird Ewald Nowotny (61). Der Aufsichtsrat soll Nowotny am Donnerstag zum Vorstandschef bestellen, sein Vertrag soll wie ursprünglich auch jener Zwettlers bis Frühling 2008 laufen.

Nowotny (61) ist langjähriger Wirtschaftsberater der SPÖ und war auch als Berater der BAWAG, der viertgrößten Bank des Landes, tätig. Der am 28. Juni 1944 in Wien geborene Finanzexperte kann auf eine fundierte Ausbildung (Jus, Volkswirtschaft) zurückblicken, er war als Professor u.a. an den Universitäten Wien, Linz, Darmstadt und Harvard tätig, seit 1982 ist er Ordinarius an der WU Wien. Der neue BAWAG-Chef war Mitglied und Präsident des Verwaltungsrates der mittlerweile mit der BAWAG fusionierten P.S.K. Von 1999 bis 2003 wirkte Nowotny als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB). Politisch ist Nowotny in der Sozialdemokratie beheimatet, für die er schon in Studentenzeiten aktiv war. Von 1978 bis 1999 war Nowotny Abgeordneter zum Nationalrat, u.a. auch Vorsitzender im Finanzausschuss.

Personalreserve der SPÖ
Nowotny gilt als fachlich unbestrittene Personalreserve der SPÖ, die in öffentlichen Positionen bisher noch nicht so zum Zug kam, wie sich das die SPÖ gewünscht hätte. Nicht berücksichtigt wurde er unter anderem, als es um die Bestellung der Spitzengremien in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ging oder jüngst, als er zu den Kandidaten für den Präsidenten des Rechnungshofs zählte. Parteichef Alfred Gusenbauer brachte ihn kürzlich auch als potenziellen EU-Kommissar ins Spiel.

Nowotny war "erste Wahl"
Nowotny sei die "erste Wahl" als Zwettlers Nachfolger gewesen, erklärte BAWAG-Aufsichtsratspräsident und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger. Nach einer ersten Kontaktaufnahme am Freitag habe man sich schon am Sonntag auf die Bestellung geeinigt. Zwettler hatte seinen Rücktritt von der BAWAG-Spitze am Donnerstag damit begründet, er wolle die Bank aus dem "Trommelfeuer" herausbekommen. Sein Rückzug bedeute "absolut kein Schuldeinbekenntnis". Zuvor hatte der BAWAG-Aufsichtsrat Zwettler und dem gesamten BAWAG-Vorstand das volle Vertrauen ausgesprochen.

Der neue BAWAG-Chef selbst bezeichnete sich als "Kombination aus In- und Outsider". Dem Hinweis auf fehlende Praxis im kommerziellen Bankgeschäft stellte er seine Expertise bei der internationalen Kreditvergabe in der EIB gegenüber.

Refco "weder verniedlichen noch übertreiben"
Der Refco-Betrugsfall sei zwar äußerst "unangenehm", man dürfe die Sache aber "weder verniedlichen noch übertreiben". Angesichts des Gesamtvolumens der Bank seien die Konsequenzen nicht mehr als eine "Delle". Oberste Priorität habe die Wiederherstellung des Vertrauens von Kunden und Anlegern. Grundsätzlich sei die BAWAG eine "starke, gut positionierte Bank mit erheblichem zukünftigem Potenzial", unterstrich Nowotny.

Mit Aussagen zur künftigen BAWAG-Strategie hielt sich Nowotny noch zurück - er sei noch nicht bestellt. Spekulativen Überseegeschäften erteilte er jedoch bereits eine Absage: Die BAWAG solle nicht "global player" sein, sondern sich auf den Heimmarkt Österreich und angrenzende Länder Mittel/Osteuropas (CEE) konzentrieren.

Verzetnitsch will an BAWAG festhalten
ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch (S) will an der 100-Prozent-Eigentümerschaft an der BAWAG festhalten. "Es gibt keinen Anlass, an der Eigentümerstruktur etwas zu ändern", unterstrich er heute. Zwar sei eine Bank nicht Kernkompetenz einer Gewerkschaft. "Aber wenn eine Gewerkschaft eine Bank besitzt, soll sie sich auch nicht von ihr trennen". Zumal die BAWAG eine "grundsätzlich gut geführte Bank" sei.

Verzetnitsch geht davon aus, dass Nowotny "Ruhe in die Bank hineinbringt". Er rechnet damit, dass die Gewerkschaftsbank auch heuer eine Dividende an den Alleineigentümer ÖGB ausschütten wird. Die BAWAG-Mitarbeiter würden in einer Weise agieren, "dass Sparer und Kunden Vertrauen in die Bank haben und dass der Eigentümer eine entsprechende Dividende erhält", so Verzetnitsch am Montag in der "ZiB 2".

Angesichts der Refco-Affäre betonte Verzetnitsch, "dass es nicht zur geschäftlichen Praxis der Gewerkschaftsbank zählen soll, Risikogeschäfte zu machen". Gleichzeitig versicherte er jedoch, dass der Refco-Kredit kein "Spekulationsgeschäft" gewesen sei, sondern "ein Kredit, der sich in betrügerischer Form dargestellt hat". Zurückgewiesen wurde von Verzetnitsch Kritik an der mangelnden Banken-Erfahrung Nowotnys. Schließlich sei dieser sechs Jahre lang im Verwaltungsrat der PSK gesessen.

Angesichts jüngster Berichte über finanzielle Probleme des Gewerkschaftsbundes (der operative Verlust des Jahres 2004 lag demnach bei 43,3 Mio. Euro) verwies Verzetnitsch auf die laufende "Organisationsreform" des ÖGB. Außerdem werbe die Gewerkschaft weiter um neue Mitglieder. Er habe jedenfalls keine Sorge, "dass der ÖGB seine Schlagkraft verliert", versicherte der Gewerkschafts-Chef.

(apa/red)

21.11.2005 06:54