Montag, 21. November 2005

Nach Ankündigung von Stronach-Ausstieg: Denk-Gruppe verhandelt jetzt mit Sponsoren

  • Opposition soll 15 bis 20 Millionen auftreiben können. Polster: 'Positive Austria-Zukunft ohne Magna-Chef'.
  • Wurde Stronach von Magna unter Druck gesetzt? Manager: "Stronach will Verein nicht in Tod stoßen".

Schon vor der mit Spannung erwarteten Generalversammlung von Austria Magna hat der violette Mäzen Frank Stronach für einen Knalleffekt mit Langzeitwirkung gesorgt. Der Magna-Gründer kündigte seinen Rückzug aus dem Wiener Verein an, den er seit August 1998 mit Geld, rund 90 neuen Spielern und immer wieder neuen Trainern beglückt hatte. Gerüchten zufolge soll es bei Magna Druck auf Stronach gegeben haben, sein teures "Hobby" aufzugeben.

"Es heißt, die Denk-Gruppe kann Sponsoren, die 15 bis 20 Millionen pro Jahr bereitstellen, auftreiben. Jetzt müssen die Leute beweisen, dass sie das bessere, ein seriöses und auch langfristig gesichertes Modell haben", erklärte Austria-Manager Markus Kraetschmer und fügte unmissverständlich hinzu: "Solange ich in der wirtschaftlichen Verantwortung stehe, wird es aber kein tönernes Gebäude, in dem die Austria aufgerieben wird, und kein Schicksal a la VSE St. Pölten geben".

Der Polster-Nachfolger appellierte an alle Austrianer, sich zu bemühen, dass der Verein auf einer wirtschaftlichen Basis weiter bestehen kann. "Es gehört aber zur Streitkultur, dass man über Szenarien diskutiert. Wir müssen ruhig und sachlich bleiben, konzentriert vorgehen", mahnt der bald 34-Jährige zur Besonnenheit aller Parteien im violetten Sinne. Denn nun gehe es vorerst nicht um Personen und Gruppen, sondern einzig und alleine um die Austria.

Kraetschmer: Rückzieher vom Rückzug nicht denkbar
Daher möchte er zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht über die mögliche Rückkehr der Austria-Ikonen Herbert Prohaska oder Toni Polster reden. Ebenso wies Kraetschmer Spekulationen zurück, wonach Stronach einen Rückzieher vom Rückzug machen könnte. "Frank meinte es sehr ernst, er hat nicht aus der Hüfte geschossen", sagt der Wiener, der mit Stronach persönlich gesprochen hatte. Demnach sei auch die Ansicht falsch, der Milliardär müsse der Austria nach der Trennung nur "26 linke Verteidiger" überlassen.

Dazu Kraetschmer: "Frank hat mir abermals versichert, dass er nur dann den Betriebsführungsvertrag vorzeitig löst, wenn die Austria wirtschaftlich und sportlich weiter lebensfähig ist und er dem Verein einen ordentlichen und konkurrenzfähigen Kader hinterlassen wird." Das oberste interne Kraetschmer-Motto lautet: "Klarheit schaffen und an einem Strang ziehen!" Das gilt für die entzweiten Fans ("möglichst schnell alle Gräben zuschütten") ebenso wie für die Spieler.

Stöger beruhigte Spieler: "Verträge laufen weiter"
Sportdirektor Peter Stöger informierte seinen Kader über die neue Situation. "Er hat klipp und klar erklärt, dass sich kein Spieler persönliche Sogen machen muss und dass alle Verträge normal weiterlaufen." Erst nach den letzten drei Spielen des Jahres werde man sich zusammensetzen, analysieren und über etwaige sportliche Personalia entscheiden. "Ob die bald fälligen Optionen für Didulica und Rushfeldt gezogen werden, muss freilich schon im Dezember klar sein", so Kraetschmer.

"Weil mir die Zukunft des FK Austria wichtig ist, möchte ich bekannt geben, dass ich den Betriebsführungsvertrag zwischen SMI - Sport Management International - und dem FK Austria Wien auflösen werde. Die Auflösung wird zum frühest möglichen, vertraglich geregelten Zeitpunkt erfolgen, da ich selbstverständlich alle vertraglichen Vereinbarungen einhalte", ließ Stronach in einer Presseaussendung wissen.

Sofortiger Magna-Ausstieg bei Einigung
Sollte sich jedoch eine Gruppe finden, die bereit ist, die Führung des aktuellen Tabellenzweiten sofort mit allen wirtschaftlichen und sportlichen Verantwortungen zu übernehmen, sei er auch gerne bereit, diesem Wunsch zu entsprechen. "So wie ich das lese und interpretiere, ist ein Magna-Ausstieg vertraglich frühestens per 30. Juni 2007 möglich. Wenn man sich einigt, könnte dies aber auch schon früher sein", sagte Austria-Manager Markus Kraetschmer auf APA-Anfrage. Der Kontrakt sieht eine einjährige Kündigungsfrist per 30. Juni eines jeden Jahres vor.

"Unerfreuliche Situation"
Das Präsidium von FK Austria Magna hat sich natürlich schon mit der neuen Situation nach dem von Frank Stronach angekündigten Rückzug beschäftigt. "Wir waren sehr überrascht über die Kündigung des Vertrages, die uns in eine unerfreuliche Situation gebracht hat", erklärte Manfred Mautner Markhof, der Vorsitzendes des Verwaltungsrates des Vereins. Nun sei es an der Gruppe des Kuratoriumsmitglieds Helmut Denk, zu zeigen, dass sie die versprochenen Sponsor-Millionen aufbringen könne.

Ex-Generalmanager Toni Polster meinte schon im Vorfeld der Ankündigung von Frank Stronach, sich bei der Austria zurück zu ziehen, er könne sich eine Zukunft ohne den Magna-Chef vorstellen: "Die Austria ist unter dem Strich so ein geiler Klub, dass die Austria auf jeden Fall ein Budget zusammenbringen wird - auch ohne Frank Stronach - das wirklich gut ist und das auch in der Höhe jenem von Rapid nahekommt", meinte die Veilchen-Ikone in der Premiere-Sendung "Talk und Tore".

Präsidium verlangt Alternativen
In einer Stellungnahme des Präsidiums heißt es, die Alternativszenarien müssten nun von der Gruppe Denk klipp und klar offengelegt werden. Diese würden auf Herz und Nieren geprüft, um sicherzustellen, dass die Austria auch in Zukunft als gesunder Klub weitergeführt werden könne und ein wichtiger Bestandteil des österreichischen Fußballs bleibe.

Sollten sich die Alternativen als nicht geeignet erweisen, "dann wäre das nicht die ganz große Aufregung, denn es blieben noch eineinhalb Jahre Zeit" um vernünftige Szenarien zu finden, bis der Vertrag mit Frank Stronach am 30. Juni 2007 auslaufe, sagte Mautner-Markhof in einem ORF-Interview. "Was uns nach dem Tod von Joschi Walter gelungen ist, werden wir auch in den eineinhalb Jahren schaffen, sollte die Gruppe Denk die Sponsormillionen nicht aufbringen."

Gruppe um Denk brachte "Misstrauensantrag" ein
Eine Gruppe Alt-Violetter unter Führung des Kuratoriumsmitglieds Helmut Denk hat zuvor schriftlich und zeitgerecht einen "Misstrauensantrag" gegen das Präsidium der Favoritner eingebracht. Auf der Generalversammlung könnte laut Vereinsstatut mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen, gültigen Stimmen aus wichtigem Grund der Präsident abberufen werden.

Dieser "Aufstand" der Basis gegen den Einfluss der Magna-Tochter SMI blieb natürlich Stronach, dessen Doppel-Funktion Austria-Mäzen/Liga-Präsident aus Gründen der Unvereinbarkeit einigen Leuten ein Dorn im Auge ist, nicht verborgen. "Es gibt zur Zeit in- und außerhalb des Vereins große Unruhe und viele verschiedene Meinungen darüber, wie und von wem der FK Austria geführt werden soll. Eine solche Situation ist für die Zukunft eines Vereins nicht gut", begründete der Gönner, der einst seine Veilchen in "Europa mitspielen" hatte sehen wollen.

Der 73-Jährige hält fest, dass er den Verein mit sehr hohen Schulden übernommen habe und dass er ihn gemäß des Betriebsführungsvertrages finanziell ordnungsgemäß übergeben werde. "Dies ist mir sehr wichtig, weil damit die Basis für eine gute Zukunft gewährleistet ist. Ich hoffe, dass nun interessierte Gruppen herantreten werden, die öffentlich Farbe bekennen und bereit sind, die wirtschaftliche und sportliche Verantwortung für Austria zu übernehmen", so Stronach.

Stronach behält Nachwuchs-Akademie
Sein Engagement in der Hollabrunner Nachwuchs-Akademie, die seinen Namen trägt, wird er fortsetzen. Diese Talente-Schmiede sei ihm ein großes Anliegen. "Sie war immer schon der zentrale Kern meines Engagements, weil die gezielte Ausbildung und Förderung von Nachwuchsspielern für die Zukunft des österreichischen Fußballs entscheidend ist", erklärte der Milliardär. Die Arbeit in der Akademie werde international hoch anerkannt und trage schon viele Früchte in Form von gut ausgebildeten, hoch talentierten Fußballern, die in verschiedenen Klubs und ÖFB-Auswahlen wichtige Leistungsträger seien.

"Diesen erfolgreichen Weg werde ich weiter gehen. Da wir für die Förderung der jungen Talente einen Trägerverein brauchen, um ihnen Spielpraxis in einer Kampfmannschaft zu ermöglichen, kann ich mir vorstellen, die Austria Amateure weiter zu führen", so Stronach, der dem FK Austria für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg sowie im violetten Umfeld wieder Ruhe wünscht.

(apa/red)

21.11.2005 13:59