Strobl besiegt "Olympia-Fluch": Erster Abfahrtssieg seit Gold von Salt Lake City
- Perfekter Auftakt des Kärntners vor Spielen in Turin
- "Seniorentag" bei der Weltcup-Abfahrt in Lake Louise
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ABSTIMMEN: ÖSV-Stars gegen den Rest der Welt
So ziemlich alles hat am Samstag in der Abfahrt von Lake Louise gegen Fritz Strobl gesprochen. Aber mit dem ersten Weltcupsieg seit seinem Abfahrtsgold bei Olympia 2002 in Salt Lake City besiegte der mittlerweile 33-jährige Kärntner endlich den "Fluch des Goldes". Und er bewies, dass Olympia offenbar die perfekte Motivation für ihn ist. Nach diesem Sieg hat er zumindest sein Ticket für die Turin-Spiele im kommenden Februar wohl sicher.
Strobl setzte sich in einem Rennen der Routiniers 0,09 Sek. vor dem Norweger Kjetil Andre Aamodt und 0,15 vor dem Liechtensteiner Marco Büchel durch und führte damit am sensationellen "Seniorentag" ein 101-jähriges Podest-Trio an. Hermann Maier wurde Vierter während Topfavoriten wie Michael Walchhofer (Siebenter) und Bode Miller (22.) leer ausgingen.
Strobl selbst überrascht
Dass die Durststrecke des in Salzburg lebenden Sympathieträgers aus Kärnten irgendwann ihr Ende finden würde, war immer klar gewesen Dass es auf der Gleitpiste in Lake Louise passierte, überraschte aber sogar Strobl selbst. Weil er an sich technisch schwierige Strecken wie Kitzbühel, Bormio oder Garmisch bevorzugt. Weil er beim schweren Sturz im Vorjahr fast sein Augenlicht verloren hatte. Weil er als 92-Kilo-Riese im feudalen Fairmont Chateau Hotel auf Bierbänken schlafen muss, weil er von den weichen Luxusbetten Kreuzschmerzen bekommt.
Dass er am Samstag seinen vergessenen Rennanzug erst im letzten Moment durch eine "Blaulicht-Aktion" seiner Betreuer rechtzeitig erhalten hatte, passte ins Bild der schlechten Vorzeichen. "Wären die nicht so schnell gewesen, hätte ich in der Unterwäsche fahren müssen", bedankte sich Strobl später grinsend. "Wenigstens hatte ich keine Zeit, nervös zu sein."
Noch im Training war es so mittelmäßig gelaufen, dass er überzeugt gewesen sei, höchstens dank günstig stehender Sterne gewinnen zu können, gestand Strobl. Am Samstag stellte "Fritz the Cat" aber seine eigenen Prognosen auf den Kopf. Er meisterte an einem Renntag, an dem bei schlechter Sicht Routine, Instinkt und Erfahrung (die ersten Fünf waren 33 und älter) ausschlaggebend waren und Hermann Maier als Vierter bester Atomic-Pilot war, mit seinem katzenartigen Stil alle Probleme und gewann, während die Favoriten rund um Michael Walchhofer und Bode Miller ihre Grenzen aufgezeigt bekamen. Strobl fair: "Ich hatte aber auch Glück mit der Startnummer."
Turin-Ticket wohl gelöst
Für Strobl hat das Warten nun also endlich ein Ende gefunden, auch das Turin-Ticket hat er damit wohl gelöst. Obwohl er sich durchaus noch ein Weilchen mit dem Warten auf den Comeback-Sieg abgefunden hätte, wenn er dafür am 12. Februar 2006 bei Olympia zum ersten erfolgreichen Titelverteidiger in der Abfahrt avancieren hätte können", gestand Strobl Augen zwinkernd. "Mit einem guten Start kannst du entspannt in die Saison gehen. Das Wichtigste ist, für Olympia qualifiziert und dann im Februar in Topform zu sein."
Die Gründe, warum er in den 58 Weltcup-Rennen seit seinem letzten Sieg (Super G Garmisch, 26.1.2002) und den 56 seit seinem Olympia-Abfahrtssieg am 10. Februar 2002 in Snow Basin über sechs zweite und vier dritte Plätze nicht hinaus gekommen war, seien vielfältig so Strobl. "Für Salt Lake hatten wir perfekte Ski. Dann aber mussten wir wegen der zunehmenden Kunstschnee-Pisten praktisch von vorne beginnen, das dauert eben", erklärte der wie "Speed-Queen" Renate Götschl auf Salomon-Ski fahrende Strobl.
Ob am Samstag auch die "Aufmunterung" durch Ex-Kicker Andi Herzog geholfen hatte, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Der hatte seinem Kumpel durch Journalisten am Schwechater Flughafen ausrichten hatte lassen: "Sagt's dem Friedl, er soll ordentlich in die Hocke gehen, sonst trete ich ihn in den A.."
"Oft hat ja nur ein Hauch gefehlt"
Er sei jedenfalls die ganzen Jahre davor bereit gewesen für einen Sieg, versicherte Strobl. "Oft hat ja nur ein Hauch gefehlt". Auf fehlendes Glück werde er sich aber nie ausreden. "Glück ist ja auch, unverletzt in die Saison gehen zu können." Siehe Landsmann Werner Franz. "Ich war beim Sommertraining in Chile sein Zimmerkollege und musste seine Sachen packen, während er schwer verletzt operiert wurde", erinnerte sich der stets freundliche, zweifache Familienvater, dessen zwei Söhne zu Hause mitgejubelt hatten.
Bei aller Freude blieb Strobl wie immer am Boden. "Gewinnen und lustig sein ist einfach. Man muss aber auch Humor bewahren, wenn es nicht läuft." Ein Motto, erarbeitet in den ersten fünf Weltcup-Jahren. "Ich bin als 19-Jähriger direkt vom Landeskader ins ÖSV-Team gekommen, hab mich dann gleich verletzt. Erst 1996 ist mir der Knopf aufgegangen. In diesen Jahren habe ich viel gelernt."
Olympia scheint ein allgemeiner "Weckruf" für die Routiniers zu sein. Hinter Strobl fuhren mit dem 19-fachen Medaillengewinner Kjetil Andre Aamodt (NOR) und dem Liechtensteiner Marco Büchel zwei 34-jährige Veteranen auf das Podest der ersten Saisonabfahrt. Strobl also als Leader einer "Rentnergang", als große Sieger am "Seniorentag" (O-Ton Johann Grugger)? Über so viel Respektlosigkeit der Jugend konnt Strobl nur schmunzeln. Der erste Sieg seit fast vier Jahren und 30.000 Franken Preisgeld (19.389 Euro), da kann man über Vieles hinwegsehen.
Ergebnis Abfahrt:
| 1. | Fritz Strobl | AUT | 1:40,96 Min. | |
| 2. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 1:41,05 | +0,09 Sek. |
| 3. | Marco Büchel | LIE | 1:41,11 | +0,15 |
| 4. | Hermann Maier | AUT | 1:41,39 | +0,43 |
| 5. | Bruno Kernen | SUI | 1:41,51 | +0,55 |
| 6. | Aksel Lund Svindal | NOR | 1:41,60 | +0,64 |
| 7. | Michael Walchhofer | AUT | 1:41,65 | +0,69 |
| 8. | Klaus Kröll | AUT | 1:41,71 | +0,75 |
| 9. | Yannick Bertrand | FRA | 1:41,75 | +0,79 |
| 10. | Didier Defago | SUI | 1:41,77 | +0,81 |
| . | Johann Grugger | AUT | 1:41,77 | +0,81 |
| 12. | Antoine Deneriaz | FRA | 1:41,87 | +0,91 |
| 13. | Andreas Schifferer | AUT | 1:41,94 | +0,98 |
| 14. | Ambrosi Hoffmann | SUI | 1:42,01 | +1,05 |
| . | Steven Nyman | USA | 1:42,01 | +1,05 |
| 16. | Christoph Gruber | AUT | 1:42,06 | +1,10 |
| 17. | Erik Guay | CAN | 1:42,07 | +1,11 |
| 18. | Lasse Kjus | NOR | 1:42,11 | +1,15 |
| 19. | Finlay Mickel | GBR | 1:42,13 | +1,17 |
| 20. | Didier Cuche | SUI | 1:42,19 | +1,23 |
| 21. | Andreas Buder | AUT | 1:42,34 | +1,38 |
| 22. | Bode Miller | USA | 1:42,43 | +1,47 |
| 23. | Werner Heel | ITA | 1:42,53 | +1,57 |
| 24. | Scott Macartney | USA | 1:42,63 | +1,67 |
| 25. | John Kucera | CAN | 1:42,70 | +1,74 |
| 26. | Peter Fill | ITA | 1:42,76 | +1,80 |
| 27. | Kristian Ghedina | ITA | 1:42,81 | +1,85 |
| 28. | Walter Girardi | ITA | 1:42,86 | +1,90 |
| 29. | Jürg Grünenfelder | SUI | 1:42,88 | +1,92 |
| 30. | Alessandro Fattori | ITA | 1:42,90 | +1,94 |
(apa/red)
