Donnerstag, 24. November 2005

"Von Olympia-Gold träumt jeder": Benjamin
Raichs Weg vom "Bubi"zum

  • NEWS: Wie "Big Benni" zum Sieger gereift ist
  • Und warum er privat nicht "die Sau rauslässt"

Benjamin Raich hat nach seinem WM-Triumph Lunte gerochen. Schafft er in diesem Winter die Wachablöse? Oder muss er noch länger warten? NEWS erzählt der Ski-Star von seinen Zielen, Herausforderungen und warum er nicht "die Sau rauslässt".

NEWS: Wie sind Sie als bekannter Spätstarter mit dem Saisonauftakt in Sölden zufrieden?

RAICH: Ich hab zwei sichere, konstante Läufe runtergebracht, der vierte Platz ist immerhin das beste Sölden-Ergebnis meiner Karriere. Deshalb gehe ich jetzt zuversichtlich in die nächsten Rennen. Am Beginn meiner Weltcupkarriere bin ich meist erst im Jänner richtig ins Fahren gekommen. Ich hab am Beginn selten das Limit gefunden - oft war ich drüber, manchmal drunter.

NEWS: Was erwarten Sie von diesem Olympia-Winter?

RAICH: Die Olympischen Spiele sind momentan noch ganz weit weg. Ich weiß nur, dass ich trotz meiner fünf WM-Medaillen mit keinem Fixplatz im Olympia-Team rechnen darf. Solche Freikarten gibt's bei uns nicht. Aber wenn ich so fahre wie im letzten Winter, sollte ein Startplatz für mich kein Problem sein. Und wenn ich meine guten Leistungen vom letzten Winter nicht wiederholen kann, dann hab ich dort ohnehin nichts verloren.

NEWS: Träumen Sie manchmal von einer olympischen Goldmedaille?

RAICH: Von einer Goldmedaille bei Olympischen Spielen träumt jeder Sportler. Da geht einfach nichts mehr drüber. Seit ich denken kann, geht mir dieses Ziel durch den Kopf. Aber ich bin keiner, der deshalb verkrampft. Ich weiß nur, dass ich bei Großereignissen wie WM oder Olympia immer sehr gute Leistungen erbracht hab. Ich weiß schon, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob du bei Olympia Vierter, Zweiter oder Erster wirst. Von der Leistung her ist der Unterschied allerdings ein ganz kleiner. An einem solchen Tag brauchst du auch ein wenig Glück.

NEWS: Ist der Gesamtweltcup neben Olympia Ihr großes Saisonziel?

RAICH: Es bringt nichts, wenn du vor jedem Rennen herumrechnest und ständig den Gesamtweltcup im Kopf hast. Ich denke immer nur von Rennen zu Rennen. Alles andere ergibt sich dann von selbst. In den beiden letzten Jahren hab ich mich in allen Disziplinen kontinuierlich gesteigert, war im Gesamtweltcup zuletzt Zweiter. Damit hab ich ewiesen, dass ich ernsthaft mitmischen kann. Um die große Kugel zu ewinnen, muss alles zusammenpassen. Im letzten Winter hat eigentlich h schon alles gepasst, am Ende war einer halt etwas besser.

NEWS: Wie haben Sie die Umstellung vom Slalomspezialisten zum Allrounder geschafft?

RAICH: Ich hab mich als Athlet weiterentwickelt. Als ich seinerzeit zum Weltcupteam gestoßen bin, war ich ja noch ein Bub und eher schmächtig gebaut. Das kann man von mir heute nicht mehr behaupten.

NEWS: Was ist die Herausforderung in den schnellen Disziplinen?

RAICH: Grundsätzlich hab ich mir immer schon die Abfahrten zugetraut, auch die schwierigen. Natürlich hast du einen Respekt davor, aber Angst kannst du dir als Rennläufer ohnehin nicht leisten. Natürlich brauchst du auch ein ganz spezifisches Training, sonst wird's gefährlich. Das Faszinierende ist die Abwechslung, wenn du alle vier Disziplinen fährst, im Training und bei den Rennen.

NEWS: Stört es Sie, dass sich die Öffentlichkeit heute auch für Ihr Privatleben interessiert?

RAICH: Am Beginn meiner Karriere hab ich relativ viel von meinem Privatleben hergegeben. Du bist jung, da schmeichelt dir das Interesse sogar. Aber mit der Zeit wird dir die Privatsphäre immer wichtiger.

NEWS: Wann und wo lassen Sie die berühmte Sau raus?

RAICH: Jeder kleine Fehler von uns wird natürlich anders bewertet als bei einem Normalbürger. Du stehst unter ständiger Beobachtung, darfst dir auch privat praktisch keinen Fehler leisten. Ich könnte heute zum Beispiel in Innsbruck oder sonstwo nicht mehr in ein beliebiges Lokal gehen und die Sau rauslassen. Aber das brauch ich eigentlich auch gar nicht. Dafür bin ich nicht der Typ.

Das komplette Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

24.11.2005 10:12