Europa hat gravierendes "Koks"-Problem: Spanier und Briten schnupfen am meisten!
- 3% der Europäer haben die Droge schon probiert
Cannabis bleibt weiter beliebteste illegale Substanz - PLUS: 870.000 Österreicher haben Alkoholproblem

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Europa hat ein "Koks"-Problem. Drei Prozent aller Europäer haben die aufputschende Droge bereits verwendet, ein Prozent im vergangenen Jahr, 0,5 Prozent im vergangenen Monat. Hohe Konsumraten unter Jugendlichen gibt es bei Cannabis. Auch hier dürfte der Gebrauch zulegen. Positiv: Die Zahl der Drogentoten sinkt in Europa. Zunehmend reagieren Gesellschaft und Politik auf die Drogenproblematik als "öffentliches Ärgernis". Das sind die Hauptpunkt des Jahresberichts 2005 der in Lissabon etablierten EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD). Im Vergleich zu den USA hat Europa allerdings weiterhin ein deutlich geringeres Problem mit illegalen Drogen.
Kokain: "Jüngsten nationalen demografischen Erhebungen zufolge haben zwischen 0,5 Prozent und sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung (drei Prozent als Mittelwert wären neun Millionen Menschen, Anm.) mindestens ein Mal im Leben Kokain konsumiert (Lebenszeitprävalenz), wobei Italien (4,6 Prozent), Spanien (4,9 Prozent) und das Vereinigte Königreich (6,8 Prozent) das obere Ende des Spektrums bilden. Jüngster Kokainkonsum (während der letzten zwölf Monate) wird im Allgemeinen von weniger als einem Prozent der Erwachsenen angegeben (drei bis 3,5 Millionen Personen, Anm.)", heißt es in dem Report. 1,5 Millionen Europäer haben Kokain im voran gegangenen Monat konsumiert.
Allerdings, bei jungen Erwachsenen liegen die Konsumraten für Kokain bei bis zu 11,6 Prozent (während des bisherigen Lebens). Bei etwa zehn Prozent der Drogen-Todesfälle hat das Stimulans eine entscheidende Rolle. Etwa zehn Prozent der Drogen-Therapien in der EU stehen mit "Koks" in Verbindung. Die Crack-Zubereitung des Suchtgifts spielt nur in manchen urbanen Zentren eine Rolle. Offenbar dürfte sich diese Problematik noch verstärken. Von 2002 auf 2003 stieg die Menge des in der EU sicher gestellten Kokains von 47 auf mehr als 90 Tonnen.
Cannabis ist populärste illegale Droge
Die populärste illegale Droge ist weiterhin Cannabis. Aus 2003 gibt es dazu Umfragen (Europäische Schülerstudie) unter 15- bis 16-Jährigen. Dabei stellte sich heraus, dass beispielsweise 44 Prozent der tschechischen Schüler Cannabis bereits probiert hatten. Das war der Spitzenwert. Die niedrigsten Raten wurden mit unter zehn Prozent (Lebenszeitprävalenz) in Griechenland, Zypern, Schweden, Norwegen, Rumänien und in der Türkei ermittelt. Bei mehr als 25 Prozent lagen Staaten wie Deutschland, Italien (je 27 Prozent) und die Niederlande (28 Prozent). Darüber - mit einer Konsum-Lebenszeitprävalenz von 32 bis 40 Prozent Jugendliche in Belgien, Frankreich, Irland und Großbritannien.
Aus Österreich wurden 21 Prozent zumindest einmaliger Cannabis-Konsum unter den 15- bis 16-Jährigen, 17 Prozent im vorangegangenen Jahr und zehn Prozent in den vorangegangenen 30 Tagen berichtet. Damit liegt Österreich im Mittelfeld.
Rückgang bei neuen Heroinabhängigen
Laut dem Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBBD) gibt es in Europa 1,2 bis 2,1 Millionen Menschen mit problematischem Drogenkonsum. Zwischen 850.000 und 1,3 Millionen Personen injizieren sich Suchtgift, zumeist Heroin. Problematischer Drogenkonsum wird als langjähriger Gebrauch von Heroin, Kokain und/oder Amphetaminen definiert.
Die Experten: "Für den Zeitraum 1999 bis 2003 liegen Schätzungen der Prävalenz des problematischen Drogenkonsums auf nationaler Ebene zwischen zwei und zehn Fällen je 1.000 Erwachsene im Alter zwischen 15 und 64 Jahren bzw. bei bis zu einem Prozent der erwachsenen Bevölkerung. (...) Höhere Schätzwerte meldeten Dänemark, Irland, Italien, Luxemburg, Österreich, Portugal, Spanien und das Vereinigte Königreich (sechs bis zehn Fälle je 1.000 Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren), während Deutschland, Griechenland, die Niederlande und Polen niedrigere Raten meldeten (weniger als vier Fälle je 1.000 Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren)."
Klare Trends zu diesem wohl ernstesten Thema des Suchtgiftkonsums gibt es in Europa nicht. Es dürften aber weniger Menschen als Heroin-Abhängige hinzu kommen. Die Zahl der Drogentoten in den EU-15-Staaten und in Norwegen sank allerdings von 8.394 im Jahr 2001 auf 7.122 im Jahr 2002, was einen Rückgang um 15 Prozent bedeutete.
Insgesamt stellt sich heraus, dass Europa im Vergleich zu den USA ein wesentlich geringeres Drogenproblem hat. Bei Cannabis (Konsum im vorangegangenen Jahr) liegen die USA mit 22 Prozent unter den 15- bis 34-Jährigen an der EU-Spitze (Tschechien), beim Ecstasy-Konsum knapp über dem EU-Durchschnitt (1,9 Prozent, USA: 2,5 Prozent) und beim Kokain wieder an der Spitze (5,1 Prozent und noch knapp vor dem europäischen Spitzenreiter Großbritannien).
Einen Siegeszug hat die Substitutionsbehandlung - vor allem mit Methadon (80 bis 90 Prozent) und mit Buprenorphin - für Opiatabhängige in Europa hinter sich. Mittlerweile wird sie praktisch überall angeboten. 530.000 Patienten waren so im Jahr 2003 in Europa nicht mehr auf illegal beschaffte Opiate angewiesen. Das verhindert vor allem Drogenkriminalität und führt auch dazu, dass die Betroffenen wieder sozial in die Gesellschaft eingegliedert werden können. Dem gegenüber steht der Umstand, dass aus Afghanistan immer mehr Opium kommt. Dort dürfte die Anbaufläche auch im Jahr 2004 wieder gewachsen sein. Die illegale Produktion betrug im vergangenen Jahr weltweit laut Schätzungen 4.850 Tonnen, im Jahr 2003 waren es 4.766 Tonnen gewesen. 87 Prozent davon stammen aus Afghanistan.
(apa/red)
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