Trinken nun rund um die Uhr erlaubt: Erste Sauf-Nacht in Großbritannien verlief ruhig
- Pubs dürfen nun 24 Stunden täglich geöffnet haben
- Rückgang von exzessiven Alkoholkonsum erhofft
·GB: Jeder Dritte wird künftig mehr trinken
Sperrstunden-Aus lässt alle Hemmungen fallen
·Sind die Briten bald
"nie mehr nüchtern"?
Sperrstunden-Aus: Blairs Schwiegervater warnt
Die erste Nacht nach Aufhebung der Sperrstunde in England und Wales ist ohne die befürchteten Schlägereien und Unfälle verlaufen. Die Nacht auf Donnerstag sei sogar eine der ruhigsten seit Wochen gewesen, teilte die Londoner Polizei laut einer Meldung der britischen Nachrichtenagentur PA mit. Erstmals seit dem Ersten Weltkrieg ist in den Pubs der Verkauf von Alkohol jetzt rund um die Uhr erlaubt.
Die Polizei erklärte weiter, möglicherweise sei der erwartete Anstieg des Alkoholkonsums ausgeblieben, weil es sich um einen Werktag gehandelt habe und das Wetter so schlecht gewesen sei. Die meisten Lokale hätten ihre Öffnungszeiten bisher ohnehin nicht ausgedehnt, sagte ein Sprecher. Die endgültige Test stehe erst am Wochenende bevor. Ähnlich äußerte sich die Polizei in anderen englischen und walisischen Städten.
Nach Angaben der Regierung erhielten 1.008 Lokale die Erlaubnis, rund um die Uhr Alkohol auszuschenken, die meisten davon Bars, Pubs, Nachtclubs und Supermärkte. Insgesamt beantragten rund 40 Prozent aller 190.000 zugelassenen Gaststätten eine Änderung ihrer Lizenzen. Bei den Pubs lag der Anteil bei 65 Prozent. Laut einer Umfrage wollten 80 Prozent aller Pubs, Bars und Nachtclubs vor 1.00 Uhr schließen. Bisher war von Montag bis Samstag um 23.00 Uhr Schluss, am Sonntag schon um 22.30 Uhr.
Befürworter des neuen Gesetzes hoffen, dass damit das so genannte "Binge drinking" ein Ende hat: Üblicherweise konsumieren die Kneipengäste unmittelbar vor der Sperrstunde noch möglichst viel Alkohol, auf den Straßen kommt es immer wieder zu Schlägereien. Gleichwohl gab es Befürchtungen, dass es künftig verstärkt zu exzessivem Alkoholkonsum kommen könnte. Der Regierung zufolge spielt bei mehr als 40 Prozent aller Gewalttaten Alkohol eine Rolle, mitunter stehen 70 Prozent aller Notfälle in Krankenhäusern im Zusammenhang mit Alkoholproblemen.
Die Gesetze zur Sperrstunde blieben seit 1915 weitgehend unverändert. Damals waren sie verschärft worden um sicherzustellen, dass die Fabrikarbeiter nüchtern blieben. Mit der Änderung der 90 Jahre alten Gesetze erhält die Polizei mehr Befugnisse, problematische Pubs zu schließen und Jugendliche zu bestrafen, die sich nicht an das gesetzliche Mindestalter zum Trinken von Alkohol halten.
(apa/red)
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