Dienstag, 22. November 2005

Bald Aus für klassische Zigarette? Neues Chemikalienrecht geht "Tschicks" an Kragen

  • EU will Zigarettenmarken auf Inhaltsstoffe überprüfen
  • PLUS: Greenpeace für Herausgabe der REACH-Liste

Die allermeisten der derzeit üblichen Zigaretten wird es nach Einschätzung des CDU-Europapolitikers Karl-Heinz Florenz bald nicht mehr geben. "Das Ende für viele schädliche und süchtig machende Zusatzstoffe im Tabak und somit das Ende der klassischen Zigarette ist nahe", sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Volksgesundheit im EU-Parlament der "Bild"-Zeitung.

Als Grund dafür gab der deutsche Politiker an, dass das Brüsseler Parlament seinem Antrag zugestimmt habe, Zigaretten im Rahmen der Reform des europäischen Chemikalienrechts REACH auf gefährliche Beimischungen zu überprüfen.

Zigaretten enthalten nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bis zu 600 Substanzen, darunter Lakritz, Salz, Zitronensäure, Honig und Arsen, bei deren Verbrennung Krebs erregende Stoffe entstehen können, wie das Blatt berichtete. Die Hersteller könnten künftig gezwungen werden, auf derartige Zusatzstoffe zu verzichten. Die Folge wäre ein völlig anderer Geschmack.

Greenpeace fordert Herausgabe von "Chemie-Geheimstudie"
Die Herausgabe einer Studie zu den Auswirkungen der geplanten EU-Chemikalienverordnung REACH auf Österreich forderte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Untersuchung sei von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Wirtschafts- und Umweltministerium, der Arbeiterkammer und dem Fachverband der Chemischen Industrie in Auftrag gegeben worden. Greenpeace kritisierte die "Geheimhaltung" der Studie scharf.

"Es ist ein Skandal, dass auf Kosten der österreichischen Steuerzahler eine Studie erstellt wird, die geheim gehalten wird, weil die Ergebnisse den Auftraggebern nicht genehm sind", sagte Greenpeace-Chemieexpertin Nina Thüllen. Die Umweltschutzorganisation stellte eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium, um die Herausgabe der Studie zu erwirken. Diese sei 2004 als Entscheidungsgrundlage für eine österreichische Position zu REACH in Auftrag gegeben worden. Die Anfrage müsse innerhalb eines Monats mit einem Bescheid beantwortet werden.

Liste sollte schon im September veröffentlicht werden
Für September 2005 sei bereits ein Termin für die Veröffentlichung der Studie angesetzt gewesen, der jedoch mit der Begründung wieder abgesagt wurde, die Studie sei "noch nicht frei gegeben", hieß es in der Greenpeace-Aussendung. Den "wahren Grund" für die Nicht-Veröffentlichung habe SPÖ-Umweltsprecher Kai Jan Krainer bereits im August darin gesehen, dass Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung mit den positiven Ergebnissen der Studie "unzufrieden" seien.

Die Umweltschutzorganisation geht nun davon aus, dass - sozusagen als Kernaussage der Studie - der volkswirtschaftliche Nutzen von REACH die Kosten für die Chemie-Industrie um ein Vielfaches übersteigt. Die Ausgaben seien in einer Studie der EU-Kommission für die kommenden elf Jahre auf 2,3 Mrd. Euro geschätzt worden - der Nutzen für die menschliche Gesundheit für die kommenden 30 Jahre wurde laut Greenpeace hingegen mit rund 50 Mrd. Euro beziffert.
(apa)

22.11.2005 10:33