Samstag, 26. November 2005

Späte Nachwehen der Wahl in Steiermark: Lechner-Sonnek und Schöggl treten zurück

  • Grüner Parlamentarier Kogler möglicher Nachfolger
  • Grazer Stadtparteiobmann Kurzmann neuer FP-Chef

Bei den steirischen Grünen und Freiheitlichen ist es zu Wechseln an der Spitze gekommen: Die Grüne Landessprecherin Ingrid Lechner-Sonnek (52) kündigte ihren Rückzug an, um eine Entlastung zu bringen. Sie wolle aber weiter Klubchefin im steirischen Landtag bleiben, meinte sie am Samstag vor der außerordentlichen Landesversammlung in Graz. Ihr Nachfolger könnte NAbg. Werner Kogler (44) werden, der bisher als einziger seine Kandidatur beim Landesparteivorstand am Montag angekündigt hatte. Bei der FPÖ machte Ex-LHStv. Leopold Schöggl (54) dem Grazer Stadtparteiobmann Gerhard Kurzmann (52) Platz.

"Es gibt das Bedürfnis, dass sich etwas ändert. Ich glaube zwar, dass ich jede Abstimmung heute überstanden hätte", aber es habe auch den "diffusen Wunsch nach Veränderung" bei vielen gegeben, so Lechner-Sonnek am Samstag vor Journalisten. Einige Funktionäre - vor allem aus der Obersteiermark - hätten ja auch konkret nach der Landtagswahl ihren Rückzug gefordert. Sie vertraue darauf, dass es bei den steirischen Grünen "genug konstruktive Kräfte" gebe, so dass wieder eine gute, geordnete Arbeit möglich sei. Sie wolle sich nun wieder mehr mit Inhalten in der Landtagsarbeit beschäftigen, besonders in ihren Bereich Feinstaub und erneuerbare Energien. Als einer der ersten Redner auf der Landesversammlung am Vormittag spekulierte der Grüne Abgeordnete Werner Kogler "heftig", am Montag als Lechner-Sonneks Nachfolger kandidieren zu wollen.

Kogler meinte allerdings, er müsse sich das auch "sehr, sehr gut überlegen". Wenn es Probleme gebe, dann müssten die offen besprochen und gelöst sein: "Es muss jetzt jeder aus seinem Bau". Dann müsse aber auch Schluss sein, denn die Orientierung könne nur "vorwärts lauten". Laut Kogler müssten zwei Linien gezogen werden, einerseits die SPÖ ständig an ihre Erneuerungsversprechen erinnern und zweitens sich ganz klar gegenüber der steirischen KPÖ zu positionieren, der ein politisches Gesamtkonzept fehle. Lechner-Sonnek hatte übrigens nach ihrem Referat in der Landesversammlung am Grazer Schloßberg die Veranstaltung verlassen.

Auch bei den Freiheitlichen gab es einen Führungswechsel: Der steirische FPÖ-Landeschef Leo Schöggl räumte den Sessel: Bei einer Vorstandssitzung am Freitagabend wurde die Übergabe fixiert, der sich bereits nach der Landtagswahl vom 2. Oktober - die FPÖ hatte knapp den Wiedereinzug ins Landesparlament verpasst - abgezeichnet hatte. Als Nachfolger wurde der Grazer FP-Obmann Gerhard Kurzmann designiert. Kurzmann wurde als einziger Kandidat genannt und wird sich Ende Jänner bzw. Anfang Februar 2006 bei einem a.o. Landesparteitag der Wahl stellen, wie er gegenüber der APA bestätigte. Außerdem wurde er auch zum Spitzenkandidaten der steirischen Freiheitlichen für die Nationalratswahl vorgeschlagen. Im Zuge der BZÖ-Abspaltung hat nach dem Abgang von Schöggl die steirische FPÖ nun einen deutlichen Rechtsruck vollzogen: Im Landtagswahlkampf fiel Kurzmann durch eine ausländerfeindliche Linie auf.
(apa/red)

26.11.2005 10:14