Donnerstag, 24. November 2005

Debatte um Stützlehrer: Gehrer und Grasser sichern jetzt 300 Dienstposten zu

  • Voraussetzung: Nachweis eines erhähten Bedarfs
  • SPÖ fordert eine schriftliche Zusicherung der Posten

Zu Skepsis bei der Opposition hat am Donnerstag die Zusicherung von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Finanzminister Karl-Heinz Grasser (beide V) für 300 zusätzliche Dienstposten für Stützlehrer zur Sprachförderung ab dem Schuljahr 2006/07 geführt. Grund: Nach wie vor macht die Regierung die Stellen vom Nachweis eines "erhöhten Bedarfs" abhängig - dieser ist nach Ansicht von Oppositions- und Elternvertretern aber ohnehin evident. Die SPÖ möchte von Gehrer außerdem eine schriftliche Zusage der Dienstposten.

Der Streit hatte sich daran entzündet, dass in den Erläuterungen zur Regierungsvorlage zum Schulpaket II zwar bis zu 300 zusätzliche Dienstposten für die sprachliche Förderung von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache vorgesehen waren, Gehrer aber zunächst eine Evaluierung abwarten wollte, ob dieser Mehrbedarf tatsächlich besteht. SPÖ und Grüne drohten daraufhin, das Schulpaket im Bundesrat zu beeinspruchen - nun sollen die Dienstposten gegen einen Bedarfs-Nachweis fix zur Verfügung stehen. Die Landeshauptleute hatten zuletzt 700 zusätzliche Stellen gefordert.

SPÖ verlangt schriftliche Zusicherung
Der SPÖ sind die Regierungs-Aussagen zu wenig: Sie fordert von Gehrer eine schriftliche Zusage für die 300 zusätzlichen Dienstposten. Versprechen der Bildungsministerin seien "mit Vorsicht zu genießen", meinte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Die Grünen kritisierten das "Herumgeeiere" Gehrers. So sei das Verknüpfen ihrer Zusage mit dem Nachweis eines Bedarfs "absurd", meinte der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz in einer Aussendung. Dieser sei ohnehin "völlig unbestritten". Dem Schulpaket wollen beide Parteien nur zustimmen, wenn es die 300 Lehrer tatsächlich gebe.

Wiener Stadtschulratspräsidentin befürchtet "Schmäh"
Einen "Schmäh" befürchtet die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) bei der Bedarfsfeststellung. Wenn man vom Nachweis eines "erhöhten Bedarfs" spreche, könnten dafür unterschiedliche Parameter herangezogen werden, so Brandsteidl. Ziehe man als Vergleichsgröße für die benötigten Zusatz-Stützlehrer ab 2006/07 etwa nur das heurige Schuljahr heran, würden kaum zusätzliche Lehrer herauskommen. Andererseits seien aber seit 2001 700 Lehrer für Integration und Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache weggefallen.

BZÖ verlangt mehr als 300 Stützlehrer
Mehr als 300 zusätzliche Stützlehrer verlangt das BZÖ. Für eine Deckung des Bedarfs und die Integration von Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache müssten weitere Pädagogen zur Verfügung gestellt werden. Als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnete der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) die in Aussicht gestellten 300 zusätzlichen Dienstposten. Allerdings müsste auch der tatsächliche Anteil von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf für die Berechnung der Dienstposten herangezogen werden - derzeit sind diese gedeckelt.

Eltern wollen Lehrer ohne Wenn und Aber
Die 300 Dienstposten für Stützlehrer "ohne Wenn und Aber, ohne Einschränkungen, Auflagen oder Bedingungen" fordert der Dachverband der Elternvereine an den Pflichtschulen. Diese seien ohnehin viel zu knapp berechnet.

(apa)

24.11.2005 11:49