Donnerstag, 24. November 2005

NEWS enthüllt die Tricks der Einbrecher: So gehen die Ostbanden bei ihren Coups vor

  • "Späher" suchen Objekte, "Shadows" beschatten
  • PLUS: Wie Sie sich vor Einbrechern schützen können

Die Zahl der Einbrüche nimmt in Österreich dramatisch zu: Ostbanden spähen ihre Opfer jetzt systematisch aus. NEWS enthüllt die Profi-Tricks der Einbrecher.

Verputz bröckelt von den Wänden, Matratzen liegen auf dem Boden, daneben ein Wasserkocher, Toiletteartikel, Wodka und Zigarettenstangen. Eine heruntergekommene Unterkunft in Wien-Leopoldstadt.

Im Bunker der Profi-Einbrecher
Eine Wohnung, in der Menschen leben, die nur ein Ziel haben: einzubrechen, in Wohnungen und Villen, und dort alles zu stehlen, was sich irgendwie zu Geld machen lässt. Um danach die gestohlene Ware zurück in ihren Bunker zu schleppen, sie dort vorübergehend zu horten und später an Hehler zu verhökern.

Am 27. November stürmten Beamte der Kriminaldirektion 1 die zuvor beschriebene Bunker-Wohnung im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Unter den Bettenlagern fanden sie Schmuck, Uhren, Digitalkameras, technisches Gerät - die Beute aus den Raubzügen mehrerer Wochen. Dazwischen schweres Werkzeug, welches jede Tür zu öffnen vermag.

Beim Sturm der Beamten lagen die Täter noch schlaftrunken und völlig überrascht in ihren Kojen - zehn Männer, zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt, allesamt aus Georgien. Und mit nur einem Auftrag: zu stehlen und zu rauben. Und das mit bislang unbekannten, raffinierten Tricks.

Georgien - das "Land der Einbrecherkönige"
Gerhard Haimeder vom Wiener Landeskriminalamt lässt den Blick über eine Landkarte an der Wand seines Büros in der Berggasse schweifen: Georgien - die Heimat seiner Hauptklientel. Fast eine halbe Million Menschen haben das arme und instabile Land in den vergangenen 15 Jahren verlassen - viele, um im Westen auf Einbruchstour zu gehen. Allein in der Bundeshauptstadt, so vermuten Kriminalisten, dürften sich mehr als tausend von ihnen illegal aufhalten.

Sie wissen genau, wann sie zuschlagen. Auch bei Margit H. scheinen Georgier zugeschlagen zu haben. Zumindest lässt sich dies aus der Vorgehensweise der Täter schließen.

Als die Betriebswirtin am vergangenen Freitagabend in ihre Wohnung in Wien-Währing zurückkehrte, bot sich ihr ein Bild des Schreckens: durchwühlte Kästen, aufgebrochene Schatullen, zerschnittene Gemälde, zerstörte Türen.

Gestohlen wurde alles, was sich später irgendwie zu Geld machen lässt - vom Ausweis über diverse Elektronikartikel bis hin zu wertvollem Schmuck. "Dabei", klagt die Frau, "war ich doch nur drei Stunden weg, um - wie jeden Freitag - meine Mutter zu besuchen." Doch genau diese Gewohnheit dürften die Täter gekannt - und ausgenützt haben.

"Späher" suchen Objekte, "Shadows" beschatten
Tatsache ist: Eigens ausgebildete "Späher" sind Tag für Tag unterwegs, um besonders lohnende Zielobjekte für künftige Einbruchstouren auszukundschaften. Und sie wissen genau, wo es sich lohnt, zuzuschlagen. "Sie achten darauf, wie belebt eine Gegend ist und ob sie mit aufmerksamen Nachbarn rechnen müssen", berichtet Ermittler Karall.

Ist ein Gewinn versprechendes Einbruchsobjekt erst einmal gefunden, übernehmen so genannte "Shadows" die Arbeit und heften sich an die Fersen der Bewohner - unauffällig natürlich. "Die späteren Opfer", so ein Fahnder, "bemerken so gut wie nie, dass sie beschattet werden."

Täter studieren Lebensrhythmus ihrer Opfer
Nach kurzer Zeit wissen die Täter demnach genau über den Lebensrhythmus ihrer "Zielpersonen" Bescheid und kön-
nen in der Folge genau jene Zeitpunkte auswählen, die besonders günstig für einen "Zuschlag" sind. Vormittage, wenn die Ausgespähten arbeiten. Oder bei hereinbrechender Dämmerung, wenn eine unbeleuchtete Wohnung Abwesenheit erkennen lässt.

Das Verbrechen selbst geht dann relativ rasch vonstatten: Insbesondere alte Eingangstüren, wie die von Margit H., brechen Profis binnen weniger Sekunden auf. Und erst einmal in der Wohnung, wissen die zumeist zwei bis drei Täter genau, wonach sie zu suchen haben. "In der Regel", so die Ermittler, "dauert ein derartiger Einbruch nicht länger als fünf Minuten."

Gelernt ist eben gelernt - viele in Wien als Einbrecher tätige Georgier haben in ihrer Heimat eine Profi-Ausbildung zum "Panzerknacker" gemacht. Ihnen wurde beigebracht, wie man Türen lautlos knackt, Tresore rasch aufbricht, am Tatort möglichst wenig Spuren hinterlässt und danach unauffällig die Flucht antritt.

Sollte es bei dieser zum ungewollten Zusammentreffen mit dem Wohnungsbesitzer kommen, reagieren die Georgier mitunter auch gewalttätig.

Die Diebesware selbst wird über ein Netzwerk von Hehlern zu Geld gemacht. Am Wiener Mexikoplatz etwa blüht der Schwarzmarkt mit Gestohlenem. Was schwieriger veräußerbar ist, wird erst einmal gebunkert und später auf dem Landweg in die Heimat verfrachtet.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS!

24.11.2005 11:39