Donnerstag, 24. November 2005

Familiendrama in Linz: 39-jähriger Bosnier erschießt Gattin & tötet sich auf Flucht selbst

  • Polizei: Eifersucht & Scheidungsverfahren als Motive
  • 6 in Bluttat involvierte Kinder in Spital eingeliefert

Familientragödie in Linz: Ein 39-jähriger Bosnier hat seine 34-jährige Ehefrau erschossen und hat sich einige Stunden später in Slowenien umgebracht. Der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl nannte als Motiv für die Tat Eifersucht und ein Scheidungsverfahren. Die drei Kinder der Frau sowie drei weitere aus der Familie, die in die Bluttat involviert waren, wurden in der Landeskinderklinik zur Betreuung aufgenommen und sollen dort bis Montag bleiben, wie der Betreiber, die Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag), der APA mitteilte.

Der Bosnier hatte seine in Scheidung lebende Frau bereits vor rund zwei Wochen attackiert. Er unterstellte ihr ein Verhältnis zu einem anderen Mann und drohte, ihr in die Knie zu schießen, damit sie auf seine Pflege angewiesen sei. Im Auto des 39-Jährigen wurde eine Schusswaffe entdeckt, er landete in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde ein Betretungsverbot ausgesprochen.

Er lauerte der Frau, als sie gegen 4.45 Uhr in die Arbeit fahren wollte, vor dem Haus auf. In ihrem Pkw wurden Blutspritzer entdeckt, der Bosnier attackierte sie vermutlich bereits dort mit Faustschlägen, berichtete Lißl. Der Frau dürfte es jedoch gelungen sein, sich loszureißen und zu flüchten.

Der 39-Jährige holte sie aber unmittelbar vor dem Hauseingang ein. Dort mischte sich ein Bewohner in den Streit ein, der Mann richtete daraufhin die Pistole gegen ihn. Als dieser ins Haus rannte, um Polizei und Rettung zu alarmieren, fielen die Schüsse. Anschließend flüchtete der Täter in einem roten Auto.

Der Notarzt traf wenige Minuten später ein und stellte Verletzungen am Kopf, im Brustbereich sowie an Armen und Beinen fest. Die schwer verletzte Frau wurde ins AKH Linz eingeliefert. Trotz einer sofort eingeleiteten Notoperation konnte die 34-Jährige nicht mehr gerettet werden. Sie starb gegen 9.45 Uhr.

Die Polizei leitete eine internationale Fahndung ein. Der Bosnier kam noch bis Slowenien. An der Grenze zu Kroatien wurde er aber erkannt und aus dem Verkehr herausgeleitet. Dann wurde der Verdächtige aber misstrauisch. Er ließ seinen Wagen ausrollen, sprang heraus und schlug sich in die Büsche. Ein Großaufgebot der Sicherheitskräfte beider Länder nahmen die Suche auf. Mit Hilfe eines Suchhundes wurde er in einer Berghütte noch auf slowenischem Staatsgebiet lokalisiert. Während sie umstellt wurde, hörten die Polizisten einen Schuss. Der Bosnier hatte sich selbst getötet.

Die "Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie Oberösterreich" nahm die Bluttat in einer Presseaussendung mit "großer Bestürzung" zur Kenntnis. Sie hatte die Frau betreut und ihr Scheidungsberatung vermittelt. Dabei war damit gerechnet worden, dass der Mann nach der ersten Drohung bis zu Ende November vorgesehenen Hauptverhandlung in Untersuchungshaft bleiben würde. In der Verhandlung sollte auf die Gefährlichkeit des Mannes hingewiesen werden. Doch war laut Interventionsstelle der Haftprüfungstermin am vergangenen Freitag unerwartet in eine Hauptverhandlung umfunktioniert, der Verdächtige zu drei Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt und gleich freigelassen worden. (apa)

24.11.2005 08:39