Führungskrise bei Wiener Grünen eskaliert:
Neues Spitzen-Gremium als letzter Ausweg
- Vertreter aus Klub, Landesgruppe und Bezirken dabei
- Team soll in Zukunft öffentliche Konflikte verhindern
Die Spitzenfunktionäre der Wiener Grünen sagen den parteiinternen Querelen den Kampf an. Ein neues - noch nicht näher bezeichnetes - Gremium soll in Zukunft vor wichtigen Entscheidungen tagen und öffentlich ausgetragene Streitigkeiten verhindern. Rathaus-Klubchefin Maria Vassilakou und Landessprecher Albert Steinhauser haben die neue Struktur am Mittwoch im Gespräch mit der APA erläutert.
In dem Team sollen Vertreter des Klubs, der Landesgruppe und der Bezirke sitzen. Wichtigste Aufgabe des Gremiums: Entscheidungen im Vorfeld beraten und koordinieren. Die Gruppe soll noch in diesem Jahr das erste Mal tagen, wobei die genaue Zusammensetzung noch nicht fixiert ist - genauso wenig wie die Größe. Dem Vernehmen nach wird es sich aber eher um ein kleines Forum handeln.
Das Team wird nicht nur Entscheidungen vorbereiten, sondern auch Empfehlungen aussprechen. Bereits in den nächsten Tagen sollen intensive Gespräche zur Vorbereitung getroffen werden. Vassilakou glaubt nicht, dass es große Widerstände geben wird: "Die Gespräche, die ich bisher geführt habe, zeigen mir, dass es ein großes Bedürfnis nach einer besseren Koordination gibt."
An der bisherigen Führungsstruktur bei den Wiener Grünen ließ Vassilakou, die derzeit nur dem Klub vorsteht, kaum ein gutes Haar. Denn die Grünen seien zwar eine basisdemokratische Partei, an die Führungskräfte gebe es aber trotzdem hohe Erwartungen - etwa dass sie Entscheidungen herbeiführen, die auf breiten Mehrheiten beruhten. Diese sollen durch das neue Gremium gewährleistet werden.
Steinhauser: Öffentliche Debatten beenden
"Wir wollen die öffentlichen Debatten beenden. Man soll die Geduld der Wähler nicht überstrapazieren", meinte Landessprecher Steinhauser. Vor allem die Zuwächse der Grünen bei der Wahl würden nach neuen Entscheidungsabläufen verlangen. Die Grünen seien kein "Kaffeekränzchen" mehr.
Bundespartei begrüßt Vorstoß
Von Seiten der Bundespartei wurde der Vorstoß am Mittwoch begrüßt. Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny nannte diesen einen "guten Schritt". Sie sei sehr optimistisch, dass die Wiener Grünen damit "auf gutem Weg" seien, ihre Strukturen den Notwendigkeiten anzupassen, sagte Sburny.
Vana: Glaube ans Christkind, bin hoffnungsfroh
Monika Vana, nicht amtsführende Stadträtin und Vertreterin des linken Flügels, meinte auf APA-Anfrage, dass man alle auf dem Tisch liegenden Vorschläge prüfen werde. Dass man über eine bessere Zusammenarbeit der Gremien nachdenke, sehe sie positiv. Ob damit die Konflikte unter den Grünen beigelegt seien? "Schauen Sie, wir stehen vor Weihnachten, ich glaube ans Christkind, also bin ich sehr hoffnungsfroh."
Maresch: Je mehr Koordination, desto besser
Rüdiger Maresch, Umweltsprecher der Wiener Grünen, begrüßte das neue Gremium: "Grundsätzlich ist Koordination in heiklen Situationen sicher gescheit, und zwar je mehr Koordination, desto besser." Er habe jedenfalls hohes Vertrauen in die handelnden Protagonisten Vassilakou, Steinhauser und in Landesgeschäftsführer Robert Korbei.
Hämische Reaktion der Wiener ÖVP
Eher hämisch fiel die Reaktion der Wiener ÖVP aus. "Die Krise wird zur Dauereinrichtung bei den Wiener Grünen, anders ist diese Permanent-Task-Force, die täglich neu einberufen wird nicht zu erklären", meinte VP-Landesparteiobmann Johannes Hahn in einer Aussendung.(apa/red)
