Mittwoch, 23. November 2005

Riskante Rolltreppen: Jedes Jahr verletzen sich 800 Personen bei fahrenden Treppen!

  • Sicher Leben: Zwei Menschen verletzen sich täglich
  • Kinder und Senioren sind besonders oft betroffen

Bald beginnt die Advent- und damit wieder die große Einkaufszeit. Die Shopping-Zentren werden wieder voller Geschenke jagender Menschen sein. Auf Rolltreppen - etwa in Einkaufszentren oder im U-Bahnbereich - kann die Hektik jedoch ein jähes Ende nehmen. "Jährlich verletzen sich rund 800 Personen auf Rolltreppen so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen", sagt Othmar Thann vom Institut Sicher Leben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV).

Besonders häufig im Spital sind Senioren und Kinder: Rund 44 Prozent der Verletzten sind 60 Jahre und älter und rund 21 Prozent unter 15 Jahre alt. Das weibliche Geschlecht ist mit 65 Prozent überdurchschnittlich oft betroffen. Risikogruppe Nummer eins sind Frauen ab 60 Jahren: Sie machen rund 36 Prozent aller Verletzten aus. Häufigste Unfallart sind Stürze (84 Prozent), aber auch Quetschungen (elf Prozent), beispielsweise der Finger, sind keine Seltenheit. 27 Prozent der Verletzten müssen dem Gipszimmer einen Besuch abstatten, 26 Prozent tragen Prellungen und 21 Prozent offene Wunden davon. Am meisten verletzt werden Beine und Füße (45 Prozent), gefolgt von Händen und Armen (31 Prozent) und dem Kopf (17 Prozent).

Ein besonders schwerer Unfall ereignete sich etwa Ende Oktober bei der Eröffnung des Einkaufszentrums "Q19" in Wien-Döbling: Weil eine Mutter und ihr Kind auf der Rolltreppe von einem herabstürzenden Einkaufswagen getroffen wurden, stürzten die beiden kopfüber in die Tiefe. Frau und Kind erlitten schwere Schädelverletzungen.

Um solche Unfälle zu vermeiden, gibt Sicher Leben in einer Aussendung einige Tipps: Ist man mit Kindern unterwegs, sollte man auf den rollenden Stufen ein besonders wachsames Auge auf sie haben. Denn bei Kindern sind zusätzlich die Finger in Gefahr: Immer wieder kommt es vor, dass die Kleinen stürzen, sich den Finger in einer Rille einklemmen und unter der Kammplatte am Rolltreppenweggang Finger oder Fingerglieder verlieren. Am besten halten Eltern ihre Sprösslinge deshalb immer fest an der Hand.

Mit Kinderwagen sollte man Rolltreppen nur benützen, wenn es keinen Aufzug gibt. Davor sollte man nicht vergessen, das Kind mit einem Sicherheitsgurt oder -bügel zu sichern. Während der Fahrt ist darauf zu achten, dass die Räder des Kinderwagens nicht an die nächst höhere Stufe gepresst werden, da sich die vorderen Gummiräder des Wagens sonst verklemmen könnten.

Besonders rücksichtsvoll sollte man mit älteren Menschen umgehen und etwa auf Rolltreppen darauf achten, dass man nicht drängelt, hetzt oder rempelt. Ein älterer Mensch verliert leichter das Gleichgewicht und kann sich schwer verletzen wie die Unfallzahlen belegen. Sich am Handlauf festzuhalten, bietet jedenfalls Standfestigkeit. "Außerdem sollte man immer rechts stehen, in Fahrtrichtung schauen und sich nicht gegen die Wand lehnen", rät Thann. "Weiters ist es empfehlenswert, genug Abstand zum Vordermann zu halten und die Rolltreppe zügig zu verlassen, damit nachfolgende Personen keine Probleme beim Absteigen haben."

Ein Risiko können auch offene Schuhbänder, herunterbaumelnde Kordeln und lose Kleidung auf Rolltreppen zum Verhängnis werden. Deshalb immer von Stufen und Rändern fern halten, so das Institut. (apa)

23.11.2005 10:30