Dienstag, 22. November 2005

2.400 Dienstposten für 18.000 Schüler: Für Gehrer kein Bedarf an mehr Stützlehrer

  • Bildungministerin will aber Bedarf evaluieren lassen
  • SPÖ zeigt sich über Ministerin Gehrer "verärgert"

Bildungsministerin Gehrer will evaluieren, ob es tatsächlich einen Mehrbedarf an Stützlehrern gibt. Derzeit gebe es 2.400 Dienstposten für 18.000 Schüler, die eine entsprechende Betreuung benötigten, was ein sehr gutes Verhältnis sei, erklärte die Ministerin vor dem Ministerrat.

Würden noch weitere Kinder mit entsprechenden Defiziten, etwa durch verstärkten Familienzuzug nach Österreich kommen, müsste man dann aber reagieren. Konkret schwebt der Bildungsministerin ein Abrufkontingent für Stützlehrer, wie bei der Tagesbetreuung vor. Demnach könnten dann zusätzliche Integrationslehrer eingesetzt werden, sofern sich ein erhöhter Bedarf ergebe. Die Bedeutung der Stützlehrer an sich sei jedenfalls unbestritten, betonte Gehrer.

Abrufkontingent vorstellbar
Ob sie angesichts der Zufriedenheit mit dem derzeitigen Lehrer- Schüler-Verhältnis die Zahlen der Landeshauptleutekonferenz bestreitet, die 700 zusätzliche Lehrkräfte in diesem Bereich gefordert hatten, beantwortete Gehrer eher vage. Sie wolle zunächst die Bedarfsfeststellung abwarten.

Auch Finanzstaatssekretär Finz sieht keinen Konflikt mit dem Bildungsressort. Derzeit suche man nach einer gemeinsamen Lösung. Von einer konkreten Anzahl an notwendigen Zusatzlehrern wollte er nicht sprechen. Hervorgehoben wurde von Finz aber, dass im Finanzausgleich ohnehin 12 Mio. Euro zusätzlich für Stützlehrer budgetiert worden seien.

Ärger bei SPÖ über Bedarfsfeststellung
"Verärgert" zeigt sich die SPÖ über die Ankündigung Gehrers, zunächst eine Evaluierung über einen möglichen Mehrbedarf an Stützlehrern abwarten zu wollen. In den Erläuterungen zum Schulpaket II stehe "unmissverständlich, dass der Bund zusätzlich 300 Lehrerstellen zur Verfügung stellt", so Niederwieser in einer Aussendung.

Das Abschieben der Verantwortung auf die Länder sei "schlicht widerlich", meinte Niederwieser. Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) müsse zu dieser Thematik ein Budgetüberschreitungsgesetz einbringen.

Grüne sehen Gehrer auf "Schönredetrip"
"Wieder einmal auf einem ihrer Schönredetrips" sieht der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz Ministerin Gehrer. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen habe, als würde von der Regierung "zumindest bei der sprachlichen Integration Handlungsbedarf erkannt", sei jetzt wieder alles anders, und Gehrer akzeptiere widerspruchslos das "Njet" des Finanzministers, so Brosz in einer Aussendung.

"Anstatt endlich Verantwortung zu übernehmen und rasch zu handeln, setzt Gehrer wie üblich auf Verzögerungstaktik", meinte Brosz. Die im Budget 2006 vorgesehene Kürzung von 1.000 Pflichtschullehrerposten solle "beinhart durchgezogen werden". "Jeder, der ab und zu eine Schule von innen sieht, weiß, dass die StützlehrerInnen in den letzten Jahren zunehmend für andere Zwecke eingesetzt wurden", meinte Brosz.

"Nicht unerwartet, weil oft praktiziert" kommt das "Njet" des Finanzministers für den Vorsitzenden des Dachverbands der Pflichtschul-Elternvereine, Kurt Nekula. Nun sei es aber umso schmerzlicher. "Können tatsächlich erst französische Verhältnisse der Vernunft zum Durchbruch verhelfen?", meinte Nekula in einer Aussendung. Offenbar seien "gesellschaftliche Loser ein institutionalisierter Teil des Budgetkonzepts".
(apa)

22.11.2005 12:09