Montag, 21. November 2005

Eigene Söhne mit Hacke ermordet: Prozess vs. Mutter in Grazer Gericht wurde vertagt

  • Gerichtsmedizinerin krank. Noch kein neuer Termin
  • Staatsanwaltschaft will Frau einweisen lassen

"Ich wollte meine Söhne erlösen": Mit diesen Worten versuchte eine 45-jährige Grazerin einem Geschworenensenat zu erklären, warum sie ihre beiden Kinder mit einer Hacke erschlagen hatte. Nach der Bluttat flüchtete die Frau nach Wien, wo sie wenig später von der Polizei aufgegriffen wurde. Die Verhandlung wurde vertagt.

"Das Verbrechen war von einer beispiellosen Grausamkeit von einer Frau, die jetzt so unscheinbar aussieht", erklärte Staatsanwalt Johannes Winklhofer zu Beginn der Verhandlung. Die 45-Jährige litt schon einige Jahre an Depressionen, zuletzt war sie kurz vor der Bluttat in der Klinik. "Sie hat sich bereits am Vorabend zu der Tat entschlossen und alles genau geplant", so der Ankläger. Am 28. Juli wartete sie, bis ihr Mann und ihre Mutter das Haus verlassen hatten, holte eine Axt und erschlug mit der stumpfen Seite der Klinge beide Söhne im Alter von 14 und 18 Jahren. Die Verletzungen waren derart massiv, dass die Gerichtsmedizinerin zunächst an Schusswunden glaubte.

"Im Schlaf von einer Hacke getötet zu werden bedeutet, dass man nichts mitbekommt"
Der Verteidiger führte ins Treffen, dass seine Mandantin nicht wusste, was sie tat. Die "Grausamkeit" gegenüber den Opfern wollte er ebenfalls relativieren: "Im Schlaf von einer Hacke getötet zu werden bedeutet, dass man nichts mitbekommt". Im Übrigen sei sie "eine gebrochene Frau, die ihr Leben schon vor der Tat beendet hat".

Die Angeklagte selbst, ganz in schwarz mit einem fast bodenlangen Rock bekleidet, sprach mit zitternder Stimme, ließ aber keine Reue erkennen. "Sind Sie immer noch überzeugt, dass Sie ihre Söhne erlöst haben?", fragte die Richterin. "Auf lange Sicht schon", meinte die Grazerin. Ihr Mann habe sie oft wegen ihrer Krankheit beschimpft, erzählte sie. Außerdem seien ihre Söhne ebenfalls sehr sensibel gewesen, und sie habe ihnen ein Leben wie das ihre ersparen wollen. "Mir ist es vorgekommen, als wenn ich das gar nicht selbst tun würde", schilderte sie die Tat.

Die Gerichtsmedizinerin war auf Grund einer Erkrankung nicht erschienen. Die Richterin schlug eine Verlesung des Gutachtens vor, was vom Staatsanwalt abgelehnt wurde. Der Prozess wurde vertagt, der nächste Termin sollte nach Wunsch der Richterin noch in der Woche vor Weihnachten sein.
(apa/red)

21.11.2005 22:10