"85 Prozent haben Strache nicht gewählt": Häupl rechtfertigt sich für Wahlergebnis!
- Bürgermeister stand Auslandspresse Rede & Antwort
- SP-Urgestein stellte Wiener als gemütliches Volk hin
Ein breiter thematischer Bogen wurde Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) vor den versammelten ausländischen Journalisten der Bundeshauptstadt abverlangt. Zum 60-jährigen Bestehen des Verbands der Auslandspresse musste der SP-Politiker zu FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Stellung beziehen. Aber auch Fragen zu Osteuropa oder den Plänen Ursula Stenzels (V) für die Innere Stadt musste er parieren.
Häupl verteidigte seine Gespräche mit der FPÖ nach der Wahl: "Auch mit den Straches dieser Stadt muss man reden". So nehme man ihnen ihre Attitüde der ewig Ausgegrenzten. "Die Leute in den Moscheen und Tempeln wissen schon, dass wir die Guten sind", war sich der SPÖ-Landesobmann sicher. Er nehme die Entwicklung aber durchaus ernst, auch wenn ihm wichtig war, zu betonen, dass 85 Prozent der Wiener Strache nicht gewählt hätten.
Überhaupt seien die Wiener ja ein gemütliches Volk, das arbeite, um zu leben und nicht lebe, um zu arbeiten, stellte der Bürgermeister klar. Dies unterscheide die Wiener von allen anderen deutschsprachigen Nachbarn. "Wir sind liebenswerte, gemütliche, ihr Seelenheil beim Heurigen suchende Menschen", bemühte sich Häupl um das Image der Bundeshauptstädter im Ausland. Allerdings sei man als deren Bürgermeister auch täglich gefordert, die Verwaltung noch besser zu machen, da sie hin und wieder gerne granteln würden.
Er sei, offensichtlich im Gegensatz zur neuen Bezirksvorsteherin Stenzel, übrigens ein Anhänger des ÖVP-Stadtfestes in der Inneren Stadt: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass nur ÖVPler zum Stadtfest gehen - dazu ist es zu gut besucht", fuhr Häupl Spitzen gegen den politischen Gegner.
Über die Wiener Landesgrenzen hinaus beklagte Häupl die zu geringe Rolle der Städte in der EU und lobte die Entwicklung Österreichs als Brückenkopf nach Osteuropa, die man bei der kommenden EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 ausspielen werde. Es werde in Wien auch keine übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen geben: "Wir werden diese Stadt nicht amerikanisieren", versprach Häupl. Man sehe sich eher zuständig für die Gemütlichkeit der Gäste. (apa)
