Mittwoch, 16. November 2005

4 Plätze, 23 PS und höchstens Tempo 85: Das erste Volksauto feiert 70. Geburtstag

  • Opel P4: "Auto für alle" kostete 1650 Reichsmark
  • Bis 1937 insgesamt 65.864 Modelle vom Band gerollt

Vier Sitzplätze, 23 PS und 85 km/h Höchstgeschwindigkeit für 1650 Reichsmark – macht in der Summe ein Auto für alle. Vor 70 Jahren, im November 1935, stellt die Adam Opel AG den P4 vor. Ein kompaktes, vollständiges Fahrzeug mit bewährter Technik zu einem unschlagbar günstigen Preis.

Der P4 besitzt einen U-Profilrahmen mit blattgefederten Starrachsen und hydraulischen Stoßdämpfern, Vierrad-Seilzugbremsen und eine aufgesetzte Karosserie in Holz- und Stahlbauweise. Diese Art des Karosseriebaus folgt klassischen Vorbildern: Karosseriebleche aus Stahl werden auf einem tragenden Holzgerüst befestigt. Weil zu dieser Zeit noch kein Verfahren besteht, um große Bleche in einem Stück zu pressen, besteht das Dachmittelteil der Limousine aus einem fest installierten Kunststoffverdeck. Der wassergekühlte 1.1 Liter-Vierzylindermotor leistet 23 PS bei 3400 U/min. Bei einem Leergewicht von nur 755 Kilogramm reicht das für eine Höchstgeschwindigkeit von
85 km/h.

Kostet wenig, verbraucht wenig
Der P4 ist kompakt und komplett ausgestattet. Auf 3,34 Metern Länge bietet er Platz für vier Passagiere, die vorderen Sitze sind verschiebbar und können per Flügelmuttern fixiert werden. Zwei große Instrumente mit Tachometer, Benzinuhr und Ölmanometer im Armaturenbrett sind ebenso serienmäßig wie Scheibenwischer und Innenspiegel. Die bewährte Grundlage ermöglicht günstige Preise: Der P4 basiert auf der erfolgreichen Opel 1,2 Liter-Baureihe. 1650 Reichsmark kostet das Standardmodell, 1890 RM schlagen für einen Kleinlieferwagen auf P4-Basis zu Buche. Für 1880 RM stehen die Cabrio-Limousine oder die höherwertig ausgestattete Spezial-Variante zur Wahl.

Rekordjahr 1935
1935 wird für Opel zu einem Rekordjahr - mit 102.293 gebauten Fahrzeugen überschreitet das Unternehmen als erster deutscher Hersteller die Produktionsmarke von 100.000 Fahrzeugen und wird größter europäischer Automobilhersteller. Der P4 verkauft sich in so großen Stückzahlen, dass Opel zum Ende des Jahres 1936 den Preis sogar um 200 Reichsmark auf 1450 RM senken und den Kunden damit zum 75-jährigen Firmenjubiläum ein Geschenk machen kann. Bis zum Ende der Produktion 1937 verlassen insgesamt 65.864 Modelle des P4 die Rüsselsheimer Werkshallen. (Opel/red.)

16.11.2005 10:25