Der wahre Bawag-Krimi

Der geheime Bericht der Bankprüfer zum Bawag-Debakel: Wie der 350-Millionen-Kredit in Wahrheit gelaufen ist. Und warum Bawag-Boss Johann Zwettler gehen muss.
Donnerstag, 17. November 2005, Punkt 16 Uhr ein denkwürdiges Datum in der Geschichte der Bawag-P.S.K.-Gruppe. Zu dieser Stunde tritt der Aufsichtsrat (AR) der viertgrößten Bank Österreichs (Bilanzsumme: 56,3 Milliarden Euro, 6.275 Mitarbeiter) zu einer außerordentlichen und dramatischen Sitzung zusammen.
AR-Vorsitzender Günter Weninger, nebstbei Finanzchef des Bawag-Alleineigentümers ÖGB, wird im Verlauf dieses Treffens der
14 Bawag-Kontrollore mit großer Wahrscheinlichkeit den Rücktritt von drei Vorstandsmitgliedern mit Bedauern zur Kenntnis nehmen.
Generaldirektor Johann Zwettler und die beiden Vorstände Christian Büttner und Peter Nakowitz werden aller Voraussicht nach freiwillig auf ihr Mandat verzichten. Damit kommen sie einer möglicherweise behördlich verfügten Ablöse zuvor.
Den drei Bawag-Bossen wird ein Verstoß gegen den Paragrafen 39 Bankwesengesetz grobe Verletzungen der Sorgfaltspflicht (von Mitgliedern der Geschäftsleitung) im Zusammenhang mit der Vergabe eines 350-Millionen-Euro-Kredits an den Chef des US-Brokerhauses Refco, Phillip Bennett, zur Last gelegt.
Nicht auszuschließen ist auch, dass an diesem Tag auch Aufsichtsratspräsident Günter Weninger von seiner Bawag-Kontrollfunktion zurücktritt. Eine aktuelle Sachverhaltsdarstellung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Kooperation mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) zur Kreditvergabe an Refco-Bennett macht diese Konsequenzen notwendig.
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