Mittwoch, 16. November 2005

3-D-Seismik: Blick ins Öl-Dorado

Österreichische Techniker sind weltweit führend im Aufspüren und Ausbeuten der letzen Öl- und Gasvorkommen der Erde. NEWS war beim Sensationsfund im Weinviertel dabei, als die Experten mittels High Tech ins Innere der Erde blickten.

Westlich von Altlichtenwörth taucht die blutrote Sonne hinter dem Horizont ab. Eine Kolonne aus eigentümlichen Lastkraftwagen, die aus einer Mondexpedition stammen könnten, tuckert mitten durch die herbstlichen Felder im nordöstlichsten Zipfel Österreichs. Alle paar Sekunden bleibt die Kolonne wie auf Befehl stehen, ein tonnenschwerer Stempel wird hydraulisch gegen den Boden gepresst und lässt die Erde für Sekunden erzittern. Ein spinnwebenartiges Netz von Geofonen fängt die aus dem Erdinneren reflektierten Druckwellen auf.

Zwei Kilometer davon entfernt sitzt ein Seismologe in einem Messwagen und starrt auf den Computerbildschirm. Aus dem Drucker rattert eine dicht beschriebene Papierschlange mit Seismogrammen, die von den insgesamt 1.560 Geofonen (funktionieren wie in die Erde versenkte Mikrofone) aufgezeichnet und per Datenleitung in den Messwagen gesendet wurden.

Pascal Lupin, ein schnauzbärtiger Franzose, wirft einen kritischen Blick auf den Ausdruck: „Wenn ich plötzlich weiße Flecken sehe, weiß ich, dass etwas schief läuft. Dann müssen wir von vorne mit den Messungen beginnen.“

Geologische Rasterfahndung im Weinviertel. Schon seit Wochen durchkämmen die von der OMV angeheuerten Spezialisten aus Krakau mit ihren Spezialfahrzeugen, Vibratoren genannt, jeden Quadratkilometer zwischen March und tschechischer Grenze. Zweck der geologischen Rasterfahndung ist das Auffinden bislang verborgener Erdöl- und Gasreserven im Weinviertel. „Schon unsere Vorgänger haben dieses Gebiet des Öfteren abgesucht. Aber sie hatten nicht die technischen Möglichkeiten wie wir heute“, sagt Helmut J. Langanger, Vorstand für Exploration und Produktion beim österreichischen Ölmulti OMV AG. „Unsere Lupe, mit der wir ins Erdinnere blicken, wird immer schärfer. Und ich bin überzeugt, dass auch die Generation nach uns weitere Lagerstätten finden wird.“

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16.11.2005 17:22