Refcos Opfer: BAWAG-Chef Zwettler tritt zurück, Bankpräsident Weninger entsetzt
- Banken-"Urgestein" geht mit 31. Dezember 2005
- "Gesamtverantwortung" - "Kein Schuldeinbekenntnis"
·BAWAG: Nachfolger-Debatte voll entbrannt
Vorstandschef Zwettler tritt mit 31. 12. zurück
·Bawag-Chef Zwettler nimmt seinen Hut!
Klicken: Bank-"Urgestein"
im ausführlichen Porträt
·BAWAG klagt Refco bzw. Ex-Chef Bennett!
Bank will Kredit von 350 Millionen Euro zurück!
·Refco: Mehr BAWAG- Kredite betroffen?
Geht Vorstand nicht, leitet
die FMA Verfahren ein
·Refco: Der BAWAG drohen Sammelklagen
US-Anwälte warten auf Fehler der Bank-Gruppe
·BAWAG P.S.K.: Viert- größte heimische Bank
Mit 3.10 wurde die Post- sparkasse dazufusioniert
·Refco-Kreditdebakel mit Folgen für BAWAG
KLICKEN: Chronologie der Finanz-Affäre
·Die größten Pleiten der US-Geschichte
US-Broker Refco landet in Statistik auf Platz vier
·Refco stand schon 1999 vor dem Konkurs
Hauptgläubiger BAWAG hat Klage angekündigt
Eine Krisensitzung des Aufsichtsrats der Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. hat nach fast vier Stunden Beratungen im gut abgeschirmten vierten Stock der Bankzentrale in der Wiener Seitzergasse mit einem Paukenschlag geendet: Generaldirektor Johann Zwettler (64) hat am Abend die "politische Gesamtverantwortung" für die Refco-Kreditaffäre übernommen. Den total überraschten Aufsichtsräten gab er in der Sondersitzung seinen Entschluss bekannt, per 31. Dezember 2005 sein Vorstandsmandat zurückzulegen. Unwiderruflich.
Zwettler, dessen Vertrag an der Spitze der viertgrößten Bank Österreichs bis zum Frühjahr 2008 gelaufen wäre, begründete seinen Schritt nach der Sitzung vor den Medien damit, seine Bank aus dem "Trommelfeuer" herausbekommen zu wollen, in das sie in der Causa Refco hineingezogen worden sei. Nachdrücklich hielt er fest, dass diese seine Entscheidung "absolut kein Schuldeinbekenntnis" sei.
Aufsichtsratspräsident Günter Weninger zeigte sich sehr betroffen. Vergeblich versuchte er noch in der Sitzung, Zwettler von seinem Entschluss abzubringen. Hätte Zwettler seinen Rücktritt nur angeboten, wäre er vom Gremium nicht angenommen worden. So aber stehe der Entschluss fest, bedauerte Weninger. Nach Meinung des Bankpräsidenten wäre der Rücktritt nicht notwendig gewesen. So aber würdigte er sichtlich erschüttert den Akt von "Hygiene" als oberstes Prinzip.
Drei BAWAG-Vorstände unter Vorsitz von Zwettler hatten an das US-Brokerhaus Refco bzw. dessen Ex-Chef Phillip Bennet Anfang Oktober in einer Blitzaktion an einem Wochenende einen Kredit von insgesamt 425 Mio. Euro gegeben. Refco ging kurz darauf Pleite.
Wie es ihm, Weninger, mit diesem letztlich doch überraschenden Schritt des Vorstandschefs persönlich geht: "Es geht mir schlecht damit", so der ÖGB-Finanzchef und Bankpräsident am Donnerstagabend vor Journalisten.
Weninger bekräftigte, dass sich die Bank in der Sache Refco als Opfer eines riesigen Betrugsfalls betrachte. Gestern, Mittwoch, wurden Refco bzw. Bennett auf die Herausgabe einer Kreditsumme von 350 Mio. Euro beklagt. Weitere 75 Mio. Euro seien zum Teil schon "verkauft", die BAWAG hofft auch den Rest nicht total abschreiben zu müssen.
Der Prüfbericht der Bankenaufsicht habe ergeben, dass bei der BAWAG keine strafrechtlich relevanten Tatbestände festgestellt wurden, betonte Weninger. Der Aufsichtsrat sei auch einhellig der Überzeugung, dass bei der Refco-Kreditvergabe keine grobe Verletzung der Sorgfaltspflicht in der Bank vorlag. Ungeachtet dessen würden aber Kontrollsysteme verschärft. Auch Schwächen im Berichtswesen sollen ausgemerzt werden.
Zwettler sprach wörtlich von "politischer Verantwortung", freilich nicht von parteipolitischer. Er wolle nur nicht, dass eine Bank mit mehr als 6.000 Mitarbeitern unter "Granat- und Atomfeuer" steht.
Zwettler stand rund drei Jahre an der Spitze des heute viertgrößten österreichischen Kreditinstituts und knapp vier Jahrzehnte im Bankgeschäft. Dass ihm der Schritt schwer viel, war für alle Anwesenden in der BAWAG-Zentrale an seiner steinernen Miene abzulesen. "39 Jahre kann man nicht leicht über Bord werfen. Ich tue es."
Angesichts der im neuen "Format" veröffentlichten hohen operativen Verluste des Österreichischen Gewerkschaftsbundes von 43,3 Mio. Euro im Jahr 2004 verwies Weninger in der ORF-"Zeit-imBild-2" darauf, dass der ÖGB "immer Kapitalerträge" gehabt habe, nicht nur aus der BAWAG. Der ÖGB habe auch sehr hohe Rücklagen. "Natürlich", so räumte Weninger ein, gebe es ein Problem im Zusammenhang mit dem Mitgliederrückgang - ausgelöst durch die "großen Fluktuationen am Arbeitsmarkt, dem Jobabbau in vielen Unternehmungen. Er glaube aber, dass man dies in absehbarer Zeit wieder auffangen werde können. An einen Teilverkauf der Bank denkt man in der Gewerkschaft jetzt nicht. In den nächsten zwei bis drei Jahren sei Konsolidierung nach der Fusion von BAWAG und P.S.K. (per Oktober 2005) angesagt. (apa/red)
Euro-Krise Spanien16:18
Spanien am AbgrundRettung einer maroden Großbank stößt Spanien tief in den Strudel der Euro-Krise
Steiermark19:54
Tödlicher TauchgangFrau fährt in einen Wasserkanal der Mur. Lenkerin wird nur noch tot geborgen.
EURO 2012 Deutschland19:32
EM ohne DraxlerLöw sortiert vier Spieler aus dem Teamkader aus. Auch Stürmer Cacau nur Zuseher.

