Infineon trennt sich von Kerngeschäft mit Speicherchips: Ausgliederung bis Mitte 2006
- Aufsichtsrat billigt Aufspaltung in zwei Unternehmen
Der Halbleiterhersteller Infineon spaltet sich in zwei Unternehmen auf: Das Kerngeschäft, die schwankungsanfällige Speichersparte, soll bis zum 1. Juli 2006 in eine rechtlich selbstständige Einheit ausgegliedert und danach an die Börse gebracht werden, teilte der Konzern in München mit. Diesem Vorschlag des Vorstands stimmte der Aufsichtsrat am Donnerstag zu.
Nach der Trennung vom bisherigen Kerngeschäft will sich Infineon auf die lukrative Sparte mit Halbleitern für die Automobil- und Industrieelektronik konzentrieren.
Auf Österreich, wo Infineon ein Werk in Villach betreibt, hat diese Maßnahmen keine Auswirkungen.
Vorstandschef Wolfgang Ziebart nannte zwei Gründe für die strategische Neuausrichtung des Konzerns: Die Geschäftsprozesse für Speicher- und so genannte Logikchips entwickelten sich in unterschiedliche Richtungen. "Zum anderen verbessern wir Wachstumsdynamik und Profitabilitätsaussichten für beide Unternehmen."
Ziebart sagte, bei Speicherprodukten sei die schnelle, marktorientierte Fertigung und ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt entscheidend. Für die Logikprodukte sei dagegen ein tiefes Anwendungsverständnis und eine konsequente Ausrichtung an individuellen Kundenbedürfnissen ausschlaggebend.
Die Speichersparte trug in den ersten drei Quartalen des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs rund 40 Prozent zum Gesamtumsatz von rund 5,0 Mrd. Euro bei. Allerdings ist das Geschäft starken zyklischen Schwankungen und stetigem Preisverfall unterworfen.
Ziebart sagte, die Speichersparte habe ihre Marktposition seit dem Börsengang von Infineon im Jahr 2000 deutlich ausgebaut und gehöre heute zu den führenden Speicherlieferanten weltweit. Der Markt biete weiterhin großes Wachstumspotenzial, vor allem für ausreichend große Anbieter mit hoher Entwicklungskompetenz. Ein rechtlich selbstständiges Unternehmen habe mehr Möglichkeiten für Kooperationen und Finanzierungen, betonte der Firmenchef. Der Speicherbereich werde sein Produktportfolio ausweiten und künftig mehr Umsätze mit höhermargigen Produkten erzielen, etwa Speicher für Server, Unterhaltungselektronik oder Kommunikation.
Der operative Sitz des neuen Unternehmens wird den Angaben zufolge in Deutschland sein. Dresden bleibe das Technologie-Entwicklungszentrum des geplanten Unternehmens. Der bisher im Infineon-Vorstand für Speicherprodukte verantwortliche Manager Kin Wah Loh soll die Leitung übernehmen.
Die Erlöse aus einem möglichen Börsengang der Speichersparte, den der Vorstand bevorzugt, sollen in den Ausbau des Logikgeschäfts investiert werden. Die Sparte umfasst die Geschäftsfelder Automobil- und Industrieelektronik sowie Multimarket und Kommunikation. Infineon nimmt den Angaben zufolge eine Führungsposition im Markt ein. Der Konzern rechnet sich gute Chancen aus, nach der Aufspaltung wettbewerbsfähige Erträge zu erwirtschaften. Die Börse reagierte auf die Entscheidung allerdings mit einem Kursabschlag von 1,4 Prozent auf die Infineon-Aktie. Das Papier war damit am Nachmittag größter Verlierer im DAX. (apa)
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