Mittwoch, 16. November 2005

Zwei Tage vor Vollzug der Bankenehe: Die neue HVB-Spitze steht bereits weitgehend

  • Turbulente Tage vor dem Finale der Übernahme
  • Übernahmeangebot der UniCredit endet am Freitag

Nach turbulenten Wochen steht jetzt weitgehend der neue Vorstand der bayerischen HypoVereinsbank (HVB). HVB-Chef (Vorstandssprecher) werde nach der Übernahme durch die italienische UniCredit wie erwartet Finanzchef Wolfgang Sprißler, hieß es in Branchenkreisen. Finanzvorstand solle Rolf Friedhofen werden, Personalvorstand Heinz Laber. Damit wurde ein Vorabbericht der "WirtschaftsWoche" bestätigt.

Die HVB war durch den Rücktritt von mehreren Vorständen in eine Führungskrise gestürzt. Am Freitag, wird nach finalen Organsitzungen in Mailand die aus der Fusion der Bank Austria-Mutter HVB mit den Italienern entstehende neue UniCredit-Gruppe offiziell aus der Taufe gehoben. Damit gilt die Übernahme der bisherigen zweitgrößten deutschen Bank rechtlich als abgeschlossen.

Am 18. November nachts endet auch das verlängerte Übernahmeangebot der UniCredit für den Streubesitz der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Dann ist Auszählung. Das "Closing" für diesen Aktientausch findet erst am Ende des Monats statt, am 30.11.

HVB-Chef Dieter Rampl wechselt an die Spitze des UniCredit-Aufsichtssrats. Sein Nachfolger in München wird nun Wolfgang Sprißler, der eigentlich nächstes Jahr in den Ruhestand gehen sollte.

Zurückgetreten sind - teils aus Protest gegen das rigide Vorgehen der Italiener, teils aus persönlichen Gründen - allerdings die Vorstände und Nachfolgekandidaten Stefan Jentzsch (Finanzmarkt), Christine Licci (Privatkunden) und Michael Mendel (Osteuropa). Firmenkunden-Vorstand Johann Berger wiederum weiß noch nicht, ob er geht oder bleibt. Risiko-Vorstand Michael Kemmer wechselt in den UniCredit-Vorstand.

Als neuer Chief Operating Officer (COO) ist zufolge der IT-Fachmann Matthias Sohler im Gespräch. Liccis Privatkundenressort wird laut Branchenkreisen möglicherweise nach dem Vorbild der künftigen Konzernmutter UniCredit aufgeteilt. In diesem Fall könnten Jan-Christian Dreesen (normale Privatkunden) und Andreas Wölfer (Geschäft mit wohlhabenden Kunden) Vorstände werden, die die Geschäfte derzeit bereits kommissarisch führen. Finanzvorstand solle Rolf Friedhofen werden, Personalvorstand Heinz Laber.

Eine Überraschung könnte es durch eine Nicht-Nachbesetzung geben: Für das Investmentbanking wird es möglicherweise keinen Vorstand mehr geben, die Sparte soll direkt von Mailand aus geführt werden, heißt es heute in der Branche. Das Risikomanagement soll ein Italiener leiten. (apa)

16.11.2005 14:23