Schweizer erstmals seit 1994 bei einer WM: Auswärtstore sichern Nachbarn Teilnahme
- Nach 2:4 in Türkei mit Gesamtscore von 4:4 weiter
- Tumulte und Randale nach dem Spiel in Istanbul
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Die Schweiz ist erstmals seit 1994 wieder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei. Die Eidgenossen verloren zwar am Mittwoch im Playoff-Rückspiel in Istanbul gegen die Türkei 2:4, lösten aber dank des 2:0-Heimsieges am vergangenen Samstag in Bern auf Grund der Auswärtstorregel das Ticket für Deutschland. Der WM-Dritte von 2002 versäumt hingegen nach der EURO 2004 das zweite Großereignis in Folge.
Die Schweizer erwischten einen optimalen Start. Nach einem Handspiel von Alpay im eigenen Strafraum nach wenigen Sekunden verwandelte Frei den dafür verhängten Elfmeter sicher zum wichtigen Auswärtstor für die Elf von Teamchef Köbi Kuhn. Die Türken brauchten vor 55.000 Zuschauern rund 20 Minuten, um sich von dem Schock zu erholen, kamen aber in der 22. Minute durch einen Kopfball von Tuncay Sanli, der nach einer Freistoß-Flanke sträflich vernachlässigt wurde, zum Ausgleich.
16 Minuten später stellte wieder Tuncay auf 2:1, indem er einen Kopfball von "Oldie" Hakan Sükür aus kurzer Distanz per Kopf ins Tor beförderte. Sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff schien es bereits, als hätte die Aufholjagd der Türken Erfolg. Nach einem Tackling von Streller fiel Akin zu Boden, der belgische Schiedsrichter De Bleeckere entschied auf Elfmeter und Netaci verwertete zum 3:1.
Damit hatten die türkischen Spieler aber ihr Pulver verschossen. Zwar blieben die Gastgeber tonangebend, zwingende Chancen schauten aber nicht mehr heraus, während Österreichs "EM-Partner" 2008 wieder Aufwind bekamen und vor allem durch Frei einige hochkarätigen Möglichkeiten versiebten. So mussten die Eidgenossen bis zur 84. Minute warten, ehe Streller seine Kameraden in diesem "Thriller" mit dem 2:3 erlöste. Der vierte Treffer für die Türken abermals durch einen Kopfball von Tuncay kam zu spät.
Nach dem Schlusspfiff ließen die türkischen Fans ihren Frust freien Lauf und schleuderten Gegenstände Richtung Schweizer Kicker, die sofort in den Spielertunnel liefen. Auch im Kabinengang kam es zu Tumulten.
Schweizer Spieler nach Schlusspfiff in Katakomben attackiert
Nach dem Ende des Duells zwischen der Türkei und der Schweiz ist erst langsam zum Vorschein gekommen, wie sehr die Eidgenossen den massiven Frust der Türken über die verpasste WM-Qualifikation zu spüren bekommen haben. Laut ersten Angaben wurden Spieler und Tormann-Trainer Erich Burgener beim Verlassen des Spielfeldes in Istanbul von Fans mit Wurfgegenständen attackiert.
In den Katakomben des Stadions, zu denen die Fans keinen Zutritt hatten, wurden die Schweizer dann von türkischen Spielern und Sicherheitskräften in die Mangel genommen. Nach Informationen des Schweizer Fernsehens musste Ersatzspieler Stephane Grichting ins Spital gebracht werden, weil er einen schweren Tritt in den Unterleib bekommen hatte. Dem Vernehmen nach haben sich noch weitere Schweizer Spieler bei den Attacken verletzt.
SFV-Medienchef Pierre Benoit kündigte schon unmittelbar nach dem Spiel an, dass der Schweizer Verband der FIFA über die Vorkommnisse in Istanbul berichten werde.
Türkischer Teamchef schlechter Verlierer
Der türkische Teamchef Fatih Terim hat sich als schlechter Verlierer geoutet und die Schuld an der verpassten WM-Teilnahme auf den (fast immer souveränen) belgischen Unparteiischen geschoben. "Wir sind ausgeschieden, weil die Schweiz in beiden Spielen mit zwölf Mann spielen konnte. Sowohl Schiedsrichter Michel in Bern als auch De Bleeckere hier in Istanbul waren Schweizer. Wer das nicht gesehen hat, war nicht beim Spiel."
(apa)
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