Schweiz setzt sich in Fußball-Krimi gegen Türkei durch: Erstmals seit 12 Jahren bei WM
- 4:4 Gesamtscore: Nur dank Auswärtstorregel weiter
Spanien & Tschechien als letzte Europäer qualifiziert - Australien erstmals nach 32 Jahren wieder bei WM
1. WM-Teilnahme für Trinidad/Tobago nach 1:0-Sieg
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Von A wie Angola über Deutschland bis zu USA
Mit der Schweiz, Spanien, Tschechien, Australien und Trinidad & Tobago haben am Mittwoch die letzten fünf Mannschaften das Ticket für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gelöst. Während die Tschechen und die Spanier nach ihren guten Hinspiel-Ergebnissen in den Playoff-Rückspielen der Europa-Zone nicht mehr ernsthaft in Bedrängnis kamen, schafften die Eidgenossen in einem "Thriller" in Istanbul gegen die Türkei den Aufstieg.
Österreichs Ausrichter-Partner bei der EURO 2008 verlor zwar 2:4, setzte sich aber nach dem 2:0 vom Hinspiel in Bern dank der Auswärtstorregel durch und sind erstmals seit 1994 sowie zum insgesamt achten Mal bei einer WM dabei. Die Türken, WM-Dritter von 2002, versäumen hingegen nach der EURO 2004 das zweite Großereignis in Folge.
Tschechien erstmals nach Trennung von Slowakei mit dabei
Dafür befinden sich die Tschechen nach einem 1:0 in Prag gegen Norwegen und einem 2:0-Gesamtscore erstmals seit der Eigenständigkeit 1993 im Kreis der 32 WM-Teilnehmer. Dazu zählen auch die Spanier (1:1 auswärts gegen die Slowakei/Gesamt 6:2), Australien (Sieg im Elferschießen gegen Uruguay) sowie erstmals Trinidiad & Tobago (1:0 in Bahrain/Gesamt 2:1).
Fußballkrimi in Istanbul zwischen Türkei und Schweiz
Die hochklassigste und spannendste aller Playoff-Partien ging in Istanbul über die Bühne, wo die Schweizer einen optimalen Start erwischten. Nach einem Handspiel von Alpay im eigenen Strafraum nach wenigen Sekunden verwandelte Frei den dafür verhängten Elfmeter sicher zum wichtigen Auswärtstor für die Elf von Teamchef Köbi Kuhn. Die Türken kamen in der 22. Minute durch einen Kopfball von Tuncay Sanli zum Ausgleich.
16 Minuten später stellte wieder Tuncay auf 2:1, indem er einen Kopfball von "Oldie" Hakan Sükür aus kurzer Distanz per Kopf ins Tor beförderte. Sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff fiel Akin nach einem Tackling von Streller zu Boden, der belgische Schiedsrichter De Bleeckere entschied auf Elfmeter und Netaci verwertete zum 3:1.
Damit hatten die türkischen Spieler aber ihr Pulver verschossen. Zwar blieben die Gastgeber tonangebend, zwingende Chancen schauten jedoch nicht mehr heraus, während die Schweizer wieder Aufwind bekamen und vor allem durch Frei einige hochkarätigen Möglichkeiten versiebten. So mussten die Eidgenossen bis zur 84. Minute warten, ehe Streller seine Kameraden in diesem "Thriller" mit dem 2:3 erlöste. Der vierte Treffer für die Türken abermals durch einen Kopfball von Tuncay (89.) kam zu spät.
Randale nach Spielende
Nach dem Schlusspfiff ließen die türkischen Fans ihren Frust freien Lauf und schleuderten Gegenstände Richtung Schweizer Kicker, die sofort in den Spielertunnel liefen. Den massiven Frust der Türken über die verpasste WM-Qualifikation bekamen die Eidgenossen auch in den Katakomben zu spüren: Laut ersten Angaben wurden Spieler und Tormann-Trainer Erich Burgener beim Verlassen des Spielfeldes in Istanbul von Fans mit Wurfgegenständen attackiert.
In den Katakomben des Stadions, zu denen die Fans keinen Zutritt hatten, wurden die Schweizer dann von türkischen Spielern und Sicherheitskräften in die Mangel genommen. Nach Informationen des Schweizer Fernsehens musste Ersatzspieler Stephane Grichting ins Spital gebracht werden, weil er einen schweren Tritt in den Unterleib bekommen hatte. Dem Vernehmen nach haben sich noch weitere Schweizer Spieler bei den Attacken verletzt.
SFV-Medienchef Pierre Benoit kündigte schon unmittelbar nach dem Spiel an, dass der Schweizer Verband der FIFA über die Vorkommnisse in Istanbul berichten werde.
Auch der türkische Teamchef Fatih Terim hat sich als schlechter Verlierer geoutet und die Schuld an der verpassten WM-Teilnahme auf den (fast immer souveränen) belgischen Unparteiischen geschoben. "Wir sind ausgeschieden, weil die Schweiz in beiden Spielen mit zwölf Mann spielen konnte. Sowohl Schiedsrichter Michel in Bern als auch De Bleeckere hier in Istanbul waren Schweizer. Wer das nicht gesehen hat, war nicht beim Spiel."
Spanien musste nicht mehr zittern
Deutlich ruhiger ging es in Preßburg zu, wo die Slowaken nach einer weitgehend ereignislosen ersten Hälfte durch Holosko in der 50. Minute auf 1:0 stellten. Die Spanier - mittlerweile seit 17 Länderspielen ungeschlagen - ließen sich davon auf Grund des 5:1-Vorsprungs aus der ersten Partie nicht beeindrucken und kamen bei strömendem Regen durch Villa (71.) noch zum Ausgleich.
Auch die Tschechen buchten das Deutschland-Ticket. Allerdings geriet der Vize-Europameister von 1996 nach dem 1:0 durch Rosicky (35.) gegen die Norweger noch etwas unter Druck, brachte den WM-Startplatz dann aber doch noch relativ sicher unter Dach und Fach.
Erste WM-Teilnahme für Trinidad & Tobago
Zum ersten Mal in der Geschichte nimmt Trinidad & Tobago an einer WM teil. Lawrence köpfelte in der 49. Minute nach einem Eckball des früheren ManU-Stars Yorke das entscheidende Tor für den Karibik-Staat. Als der kolumbianische Schiedsrichter Ruiz Acosta in der Nachspielzeit dem vermeintlichen Ausgleichstreffer der Gastgeber durch Ali Hussain die Anerkennung verweigerte, kam es zu Tumulten.
Mit dem Erfolg in einer zerfahrenen Partie sicherte sich die Beenhakker-Elf als viertes Team aus der Karibik nach Kuba 1938, Haiti 1974 und Jamaika 1998 die WM-Teilnahme.
Australien erstmals seit 32 Jahren wieder bei WM
Erstmals seit 1974 fährt Australien zu einer WM-Endrunde. Die "Socceroos" egalisierten durch Bresciano (34.) gegen Uruguay den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel und hatten im Elferschießen mit 4:2 das bessere Ende für sich.
Mit Marco van Basten (Niederlande), Guus Hiddink (Australien), Leo Beenhakker (Trinidad & Tobago) und Dick Advocaat (Südkorea) kommen vier von 32 WM-Teamchefs aus den Niederlanden.
(apa/red)
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