Donnerstag, 17. November 2005

Abschied unter Tränen: Knieverletzung beendet die Karriere von Hilde Gerg

  • Für Deutsche ist nun Familienplanung wichtig

Unter Tränen hat Hilde Gerg ihr Karriereende bekannt gegeben und auch dem Deutschen Skiverband dürfte nach dem "Aus" seiner besten Abfahrerin vor dem Olympia-Winter zum Heulen zu Mute sein. Eine schwere Knieverletzung zwingt die 30-Jährige vorzeitig in den sportlichen Ruhestand. "Mir wäre es lieber gewesen, dieser Termin wäre vier Monate später gewesen. Aber ich muss damit umgehen", sagte Hilde Gerg am Montag, die bei der Pressekonferenz in Gräfelfing bei München immer wieder von Weinkrämpfen überwältigt wurde.

In Gräfelfing war sie am Samstag erfolgreich operiert worden. Bei einem Trainingssturz am vergangenen Mittwoch in Copper Mountain (USA) hatte die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 einen Impressionsbruch des rechten Schienbeinkopfes, einen Anriss des Außenmeniskus sowie einen Teilriss des hinteren Kreuzbandes erlitten.

"Die Rehabilitation wird mindestens vier bis sechs Monate dauern", sagte der behandelte Arzt Doktor Erich Rembeck, der Hilde Gerg auch schon nach ihrem Kreuzbandriss im Dezember 2002 betreut hatte. "Es war wie ein Schock. Auch nach der Narkose habe ich es nicht geglaubt. Es war wie im Film, ich habe mir gesagt: Das kann nicht ich sein", sagte Gerg über ihren geplatzten Traum, bei ihren dritten Olympischen Winterspielen eine weitere Medaille zu holen. "Ich hoffe, das hat für mein späteres Leben keine Folgen."

Der Ausfall seiner mit 20 Weltcupsiegen besten Rennläuferin trifft den Deutschen Skiverband (DSV) ausgerechnet im Olympia-Winter hart. "Wir sind bei den Damen nicht hoffnungslos, aber wir verlieren die Hoffnung auf durchschnittlich 15 Podestplätze", sagte DSV-Alpinchef Walter Vogel. Einzig verbliebene Medaillenkandidatinnen sind somit Martina Ertl und Maria Riesch, die allerdings nach einem Kreuzbandriss erst im Oktober ihr Comeback gab.

Die Herren stehen nach den verletzungsbedingten Rücktritten von Max Rauffer und Florian Eckert praktisch ohne Weltcup-Team in den Speed-Disziplinen dar. Zudem zog sich Andreas Ertl eine Innenbandverletzung zu und fällt mehrere Wochen aus.

Für Hilde Gerg steht zunächst erst einmal die langwierige Rehabilitation an. "Ich brauche Zeit, um das zu verarbeiten", sagte sie. Das Ziel einer Treckingtour in Nepal im April hat sie noch nicht aufgegeben. Im Sommer will die Lenggrieserin das Haus ihrer Schwiegereltern am Königssee zu einer Ferienpension umbauen. Und mit Ehemann Wolfgang Grassl, ihrem ehemaligen Slalomtrainer, soll nun die Familienplanung vorangetrieben werden.

"Es war eine schöne Zeit", sagte Hilde Gerg, die als 18-Jährige 1994 in der spanischen Sierra Nevada sensationell ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, mit Blick auf ihre lange Karriere mit Höhen und Tiefen.

(apa/red)

17.11.2005 19:07