Mittwoch, 16. November 2005

Nach brutalem Bandencheck: Graz-Spieler Warren Norris nicht mehr in Lebensgefahr

  • Muss zumindest bis Montag im Krankenhaus bleiben
  • 99ers-Managerin fordert harte Strafe für Harand

Die Graz 99ers müssen in der Erste Bank Eishockey Liga längere Zeit ohne Warren Norris auskommen. Der 31-jährige Kanadier war am Dienstagabend im Match gegen die Red Bulls Salzburg (2:3 n.P.) von Patrick Harand 47 Sekunden vor Ende des ersten Drittels gegen die Bande gecheckt worden, anschließend mit der Stirn gegen die Bandenbegrenzung gekracht und wie ein Boxer k.o. gegangen.

Danach hatten sich auf der Eisfläche Szenen wie auf einer Intensiv-Station abgespielt. Vier Mediziner waren sofort zur Erstversorgung des in Lebensgefahr schwebenden Stürmers, der auf Grund einer Atemlähmung sogar künstlich hatte beatmet werden müssen, aufs Eis gestürmt. Der unter Schock stehende Norris hatte sich im Anschluss beim Abtransport aus der Halle sogar kurzzeitig die Infusionsnadel aus dem Arm gerissen.

Gehirnschwellung konnte gestoppt werden
Mittels einer Computertomographie des Schädels stellten die behandelnden Ärzte am Mittwochvormittag neben der schweren Gehirnerschütterung auch eine schwere Schädeldachprellung fest. Die Gehirnschwellung konnte über Nacht gestoppt werden, womit keine Lebensgefahr mehr bestehe. Daneben erlitt Norris, der zwölf Stunden nach dem folgenschweren Zwischenfall wieder ansprechbar war, noch eine Stauchung der Wirbelsäule. Wie lange der 99ers-Angreifer noch im Spital bleiben muss bzw. ausfallen wird, hänge vom weiteren Heilungsverlauf ab, teilten die Mediziner mit.

Der Schock bei den Grazern saß auch am Tag danach noch tief. "Wenn nicht vier Ärzte vor Ort gewesen wären, die Warren Norris noch in der Halle wiederbelebt haben, wäre der Spieler gestorben. Wir sind froh, dass die Untersuchungen keinen Hinweis auf ein Blutgerinnsel oder eine Wirbelfraktur ergeben haben und Warren wieder ansprechbar ist, das ist schon ein Riesenschritt", betonte 99ers-Managerin Silvia Priversek, die nun Handlungsbedarf von Seiten des Strafsenats sieht.

Norris muss zumindest bis Montag im Krankenhaus bleiben
Norris muss auf jeden Fall noch bis Montag im Landeskrankenhaus Graz bleiben. Das gab ein behandelnder Arzt am Mittwoch in der ORF-Kurzsportsendung bekannt, nachdem der Eishockey-Legionär am Dienstag im Erste Bank-Liga-Spiel daheim gegen Red Bulls Salzburg nach einem Bandencheck von Patrick Harand auf Grund einer Atemlähmung vorübergehend in Lebensgefahr gewesen war.

Graz-Managerin fordert harte Strafe
"Patrick Harand ist ja bereits wiederholt negativ aufgefallen. Und jetzt dieser folgenschwere Ellbogencheck, wobei man dazu sagen muss, dass Norris zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Scheibe führte. Ich fordere daher, dass ein solcher Spieler nicht für drei, sondern für 20 Matches gesperrt wird. Denn so ein Verhalten ist schädlich für den gesamten Eishockey-Sport. Sogar einige von Harands eigenen Mitspielern bei Salzburg waren entsetzt über dieses Foul", erklärte Priversek, die auch Vereins-Vizepräsidentin der Erste Bank Liga ist.

Vienna-Capitals-Stürmer Oliver Setzinger war zuletzt im Oktober für seinen Ellbogencheck gegen den Grazer Peter Kniebügel vom Liga-Strafsenat mit einer Sperre für drei Pflichtspiele belegt worden. Kniebügel hatte bei der Attacke einen glatten Bruch im rechten Oberarm erlitten und fällt deshalb für die restliche Saison aus. Harand darf auf Grund der Matchstrafe, die er für das Foul an Norris erhalten hat, von den Salzburgern im nächsten Match, dem großen Schlager am Donnerstagabend in Innsbruck (19:15 Uhr/live Premiere Austria) gegen den Tabellenführer, nicht eingesetzt werden. Dies sieht das Reglement unabhängig vom Strafausmaß, das der Strafsenat festlegt, vor.
(apa/red)

16.11.2005 12:40